Wo trainieren Westfalens (zukünftige) Olympioniken?

01.01.2010 Burkhard Wetterau

Kategorie: Bildung, Kultur und Sport

Schlagworte: Westfalen · Sport

Inhalt

Bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking wurden in 28 Sportarten, bei den Winterspielen 2010 in Vancouver in 15 Sportarten um 302 bzw. 86 Goldmedaillen gerungen. Für die Vorbereitungen standen den Olympioniken in Westfalen-Lippe ausgezeichnete Trainingsstätten zur Verfügung.
 

Abb. 1a: Trainingszentren und -stützpunkte für olympische Sommer- und Wintersportarten in Westfalen (Quelle: Landessportbund Nordrhein-Westfalen e. V.)

Organisationsstrukturen des Sports auf verschiedenen Ebenen

Die auf den ersten Blick einfache Fragestellung "Wo trainieren Westfalens Olympioniken?" entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein höchst komplexes Unterfangen; denn die Strukturen zwischen den einzelnen Fachsportverbänden und den Sportbünden weichen zum Teil erheblich voneinander ab, sodass ein Vergleich nahezu unmöglich wird. Daher muss im Folgenden eine Reihe von Vereinfachungen in Kauf genommen werden, um ein Minimum an vergleichbaren Daten zu erhalten. So werden beispielsweise in Deutschland die 28 olympischen Sommersportarten durch 26 olympische Spitzenverbände betreut: der Deutsche Baseball und Softball Verband e. V. deckt diese beiden international offiziell getrennten Sportarten gemeinsam ab; der Deutsche Schützenbund ist auch Fachverband für die vier olympischen Disziplinen des Bogenschießens, die international durch die FITA (Féderation Internationale de Tir à l‘Arc) vertreten werden. In Nordrhein-Westfalen existieren 58 Fachsportverbände für Sommersportarten, davon sind 16 für nichtolympische Disziplinen zuständig. In diesem Bundesland gibt es auch noch verschiedene Fachsportverbände, die nur für Teile von NRW zuständig sind (z. B. Westfälischer Turnerbund und Rheinischer Turnerbund, vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen zusammenfassend als "Turnerbünde NRW" bezeichnet). Die Untersuchungsbasis für die folgenden Ausführungen beschränkt sich aus pragmatischen Gründen daher im Wesentlichen auf Informationen des Landessportbundes NRW, der für die Anerkennung von Landesleistungsstützpunkten zuständig ist. Hieraus wurden die für Westfalen-Lippe relevanten Daten filtriert.

Leistungs- und Spitzensport in Westfalen-Lippe

Im Landessportbund NRW liegen 120 von 305 Landesleistungsstützpunkten und 12 von 36 Lan­desleis­tungszentren in Westfalen-Lippe.

Acht Bundesstützpunkte zählen zu Westfalen-Lippe. Hin­zu kommen zwei Bundesstützpunkte für den Nachwuchs. In Wa­rendorf liegt das Bun­desleis­tungszentrum für die olympischen Disziplinen Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitsreiten.

Bundesweit exis­tierten heute (Stand 05/2010) 19 Olympiastützpunkte. Elf der o. g. Einrichtungen in Westfalen-Lippe wurden ausschließlich dem Olym­pia­stützpunkt Westfalen in Dortmund zugeordnet. Zusätzlich exis­tiert zwar der Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr (Sitz in Essen), der teilweise westfälisches Gebiet umfasst, dem aber kein westfälischer Standort zugeordnet ist.

In der Regel handelt es sich um Einzelstandorte. Es gibt aber auch Stützpunkte und Zentren, die auf mehrere Standorte verteilt sind (Abb. 1b). Bei diesen "Kombi-Standorten" gibt es zwei, die über Westfalens Grenzen hinaus kooperieren (im Tischtennis Köln-Porz/Siegen und im Volleyball Bo­cholt/Hamminkeln); hinzu kommt noch ein sogar Bundesland überschreitender Bundesstützpunkt im Bi­athlon/Nor­dische Kombination in Winterberg/Willingen. Eine weitere Besonderheit stellt der Landesleistungsstützpunkt Rhede in der Leichtathletik dar: Er liegt zwar geographisch im Kreis Borken und somit in Westfalen, wird aber vom Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband dem Leichtathletik-Verband Nordrhein und nicht dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen zugerechnet.
Abb. 1b: Stützpunkte und Zentren mit mehreren Teilstandorten (Quelle: Landessportbund Nordrhein-Westfalen e. V.)

Alle o. g. Standorte sind in Abb. 1a ausgewiesen. Dabei handelt es sich um eine Momentaufnahme, da die Anerkennung immer nur für vier Jahre ausgesprochen wird: bei den Sommersportarten jeweils vom 01. Januar bis zum 31. Dezember, bei den Wintersportarten jeweils vom 01. Juli bis zum 30. Juni. Hinzu kommt, dass der Beginn der Anerkennungsperioden von Sportart zu Sportart, manchmal sogar von Disziplin zu Disziplin variieren kann.

Nur Hockey und Moderner Fünfkampf sind als einzige olympische Sommersportarten in Westfalen-Lippe in keinem Leistungsstützpunkt oder -zentrum vertreten.

In jeder der neun kreisfreien Städte von Westfalen-Lippe ist zumindest ein Landesleistungsstützpunkt anerkannt. Dies gilt bis auf den Kreis Höxter auch für die übrigen 17 westfälischen Kreise.

Nicht berücksichtigt wurden in Abb. 1a Stützpunkte und Zentren, die in Westfalen-Lippe für nichtolympische Sportarten (Segelflug, Sportklettern, Bahnengolf, Billard, Casting, Golf, Ju-Jutsu, Kegeln, Rollhockey, Rugby, Schach, Squash, Tanzen, Tauchen und Wasserski) eingerichtet sind.

Weiterhin wurde in Abb. 1a auf die Ausweisung der beiden westfälischen Landesleistungsstützpunkte des Behindertensportverbandes NRW (Leicht­ath­letik und Rugby in Bochum) verzichtet.

Die Bundeswehr hat ihre Spitzensportförderung auf 15 Standorte in Deutschland konzentriert. Die einzige Sportfördergruppe in Westfalen-Lippe ist in Warendorf stationiert. Wenn sie auch in der Karte nicht gesondert ausgewiesen wird, soll aber an dieser Stelle wenigstens auf die herausragende Bedeutung dieses Standortes hingewiesen werden. Von insgesamt über 800 Bundeswehrsportlern, die in 43 Sportarten trainieren, waren 2008 in Warendorf insgesamt 86 Soldatinnen und Soldaten stationiert, aufgeteilt in 14 Sportarten. Bis auf fünf Athleten, die Rettungsschwimmen (3) bzw. Sporttauchen (2) als Leistungssport betrieben, trainierten alle anderen in olympischen Disziplinen: Bob (3), Fußball (7), Handball (13), Leichtathletik (3), Reiten (10), Rodeln (1), Rudern (21), Schießen (1), Schwimmen (16), Skeleton (1), Ski Langlauf (2) und Ski Nordische Kombination (3).

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2010