Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)

14.09.2022 Rudolf Grothues

Inhalt

Abb. 1: Mitgliedskörperschaften des LWL (Quelle: LWL)

Der LWL im Überblick

Als einer der beiden nordrhein-westfälischen Landschaftsverbände arbeitet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für 8,3 Mio. Menschen im gleichnamigen Landesteil.

Rund 19.000 Beschäftigte erfüllen Aufgaben aus den Bereichen Soziales, Psychiatrie, Jugend/Schule und Kultur.

Getragen wird der LWL durch die 18 Kreise und neun kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe (Abb.1). Die politische Kontrolle liegt bei den 125 Mitgliedern der Landschaftsversammlung, des sog. Westfalenparlamentes (Abb. 2). Sie werden durch die Vertretungen der Kreise und der kreisfreien Städte gewählt. Dabei sind die Parteien genauso stark in der Landschaftsversammlung vertreten, wie sie bei den Kommunalwahlen 2020 westfalenweit abgeschnitten haben.

Die Geschäfte der laufenden Verwaltung werden vom Direktor geführt, seit Juli 2022 Dr. Georg Lunemann (Abb. 3). Er vertritt den Verband nach außen, bereitet die Beschlüsse des Landschaftsausschusses und der Fachausschüsse vor und führt sie auch aus.

Abb. 2: Sitzverteilung in der Landschaftsversammlung 2020–2025 (Quelle: LWL)

Der LWL als ein Kommunalverband

Der LWL übernimmt Aufgaben, die für einzelne Städte und Kreise zu groß oder zu speziell sind, z.B. psychiatrische Kliniken oder Blinden- und Gehörlosenschulen. Weiterhin übernimmt er Aufgaben, die die ganze Region betreffen und daher einheitlich wahrgenommen werden sollten, wie die Errichtung von Museen. Außerdem übernimmt der Verband Aufträge des Landes und des Bundes wie z.B. die Sicherung und Therapie psychisch kranker Straftäter (Maßregelvollzug).

Der LWL gehört aber nicht zur staatlichen Verwaltung und nicht zur Landesverwaltung, sondern ist ein Kommunalverband in kommunaler Selbstverwaltung. Dies ist eine Tatsache, die in der öffentlichen Debatte zumeist vernachlässigt wird. Im Jahr 2001 griff die Landesregierung stark in den Aufgabenzuschnitt des LWL ein, als die Aufgaben des Straßenbaus verstaatlicht wurden. Vom Gesamthaushalt in Höhe von aktuell (2022) knapp 3,7 Mrd. Euro fließen rd. 88% in soziale Aufgaben (Abb. 4).

Abb. 3: Der Direktor des LWL, Dr. Georg Lunemann (Foto: LWL/Kapluggin)

Soziales

Der LWL engagiert sich vor allem für die Integration alter, kranker und behinderter Menschen in die Gesellschaft. Über 3,2 Mrd. Euro Sozialhilfeleistungen fließen an ca. 59.000 körperlich sowie geistig und seelisch behinderte Menschen in Westfalen-Lippe. Die etwa 95.000 Arbeitenden mit Behinderungen finden im LWL-Inklusionsamt kompetente Ansprechpartnerinnen und -partner. Das Inklusionsamt schafft und sichert Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen in mehr als 25.000 Betrieben in Westfalen-Lippe (s. Beitrag Wittkampf).

Über 35.000 Kriegsopfer und ihre Hinterbliebenen, Opfer von Gewalttaten, Impfgeschädigte, Soldatinnen und Soldaten sowie Zivildienstleistende werden vom LWL-Amt für Soziales Entschädigungsrecht umfassend unterstützt.

Psychiatrie

In mehr als 130 Einrichtungen des Psychiatrie-Verbundes, darunter Fachkrankenhäuser, Rehabilitationszentren, Wohnverbünde und Pflegezentren, finden Menschen mit seelischen Erkrankungen kompetente Hilfe. Dabei handelt es sich um ambulante, teilstationäre sowie stationäre Angebote.

Im Auftrag des Landes NRW betreibt der LWL aktuell sechs Maßregelvollzugskliniken mit insgesamt 870 Plätzen, in denen psychisch kranke und suchtkranke Straftäter behandelt und gesichert werden.

Abb. 4: LWL-Haushalt 2022 – Aufwendungen (Quelle: LWL-Finanzabteilung)

Jugend/Schule

Das LWL-Landesjugendamt unterstützt die Jugendämter der Städte, Gemeinden und Kreise sowie die Träger der freien Jugendhilfe in ihrer Arbeit für Kinder, Jugendliche und Familien. Dazu zählen die Beratung, Förderung und Fortbildung der Fachleute. Auch die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderungen wird mit Mitteln unterstützt.

Darüber hinaus unterhält der LWL eigene Bildungsstätten, wie den Jugendhof in Vlotho oder das LWL-Berufskolleg in Hamm.

In 35 Förderschulen werden Kinder mit Behinderungen unterrichtet und auf Alltag und Beruf vorbereitet.

Abb. 5: Einrichtungen und Außenstellen des LWL in Westfalen-Lippe 2021 (Quelle: LWL-Statistik, Kartengrundlage © Lutum + Tappert)

Kultur

Das kulturelle Erbe Westfalen-Lippes macht der LWL den Menschen auf vielfältige Art und Weise zugänglich. Er unterhält Museen und Kulturdienste, unterstützt die landeskundliche Forschung – wie auch dieses Projekt der Geographischen Kommission – und fördert kulturelle Aktivitäten der Kommunen, Kreise und freien Träger.

Die westfalenweit 18 Museen erforschen, dokumentieren und präsentieren die Kultur und Geschichte Westfalen-Lippes. Daneben werden immer wieder international beachtete Sonderausstellungen erarbeitet.

Die LWL-Kulturdienste beraten, fördern und bieten technischen Service rund um das Thema Kultur. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur, Archivwesen, Regionalgeschichte, Museumswesen, Medien, Paläontologie und Archäologie.

In sechs wissenschaftlichen Kommissionen sowie im LWL-Institut für Regionalgeschichte untersuchen renomierte Wissenschaftler zahlreiche Aspekte der westfälischen Geschichte, Altertumskunde, Mundart- und Namenforschung, Alltagskultur, Literatur und Geographie.

Darüber hinaus initiiert der LWL westfalenweite, kulturpolitische und kulturfachliche Veranstaltungen und Projekte.

Besonders die zahlreichen Aktivitäten der Kulturabteilung und ihrer Einrichtungen besitzen eine identitätsstiftende Wirkung für die Kulturlandschaft Westfalen-Lippe. Dadurch wird das eigenständige Profil Westfalens sowohl im Bundesland NRW als auch darüber hinaus gestärkt. Die LWL-Kulturarbeit fördert die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Landes und der Menschen, die dort leben und gelebt haben.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sieht sich heute als modern aufgestellter Dienstleister innerhalb der kommunalen Familie.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2007, letzte Aktualisierung 2022