Die Versorgung der westfälischen Städte und Gemeinden

17.09.2026 Christian Hübschen

Tab. 1: Daseinsvorsorge: Abschneiden aller Kommunen in NRW und Westfalen nach Kategorien (Quelle: eigene Berechnungen nach IW 2026)

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW), ein privates Wirtschaftsforschungsinstitut, hat im Mai 2026 den sog. IW-Gemeindecheck veröffentlicht. Die zentrale Frage hierbei lautete: "Wie gut ist meine Gemeinde versorgt?" Im Zuge der Studie wurden alle 10.817 Städte und Gemeinden in Deutschland anhand von 17 Indikatoren in fünf Bereichen untersucht: Digitalisierung (darunter fielen Mobilfunkabdeckung und Breitbandverfügbarkeit), Gesundheit (Versorgung mit Hausärzten, Krankenhäusern, Apotheken, Pflegeeinrichtungen), Mobilität (Qualität von Brücken, Anbindung an ÖPNV, Autobahnen, Flughäfen), Freizeit (Erreichbarkeit von Schwimmbädern, Theatern, Museen) und Bildung (Versorgung mit Grundschulen, Gymnasien, anderen weiterführenden Schulen, Kitas).

Im Ländervergleich wurde Nord­rhein-Westfalen am besten bewertet, mehr als jede zweite der 396 Kommunen fällt in die Kategorie "sehr gut" versorgt, während in Mecklenburg-Vorpommern mehr als jede zweite als "sehr schlecht" versorgt gilt. Jedoch schneiden ostdeutsche Städte auffallend gut ab, rd. 30% sind "sehr gut" versorgt, während es unter den westdeutschen Städten nur knapp 20% sind.

Abb. 1: Einstufung der Gesamt-Versorgungslage in den Städten und Gemeinden Westfalens 2026 (basierend auf dem Bundesranking) (Quelle: IW 2026, S. 31)

In NRW fallen fast 86% der Städte und Gemeinden in eine der beiden Top-Kategorien ("sehr gut": 54,0%, "gut": 31,6%), 9,3% sind "mittel" versorgt, 4,5% "schlecht" und 0,5% "sehr schlecht" (Tab. 1). Bonn wurde NRW-weit am besten bewertet, gefolgt von Schwelm, Herne, Köln und Kleve. Auf den letzten Plätzen liegen Kirchhundem und Finnentrop (beide Kr. Olpe) sowie Dahlem, Hellenthal und Blankenheim (alle Kr. Euskirchen).

In Westfalen ist die Versorgungslage noch besser: 86,6% der Städte und Gemeinden sind hier "sehr gut" bzw. "gut" versorgt, keine Kommune hingegen "sehr schlecht" (Tab. 1). Daraus ergibt sich – auf den ersten Blick – ein relativ homogenes Bild, wobei vor allem Städte und urbane Räume in Westfalen eine hohe Versorgungsgüte aufweisen, aber auch ländliche Gemeinden überwiegend gut versorgt sind (Abb. 1). Ein auffallendes Stadt-Land-Gefälle ist hier zunächst nicht erkennbar. Allerdings gibt es Ausnahmen: Regionen mit schwerwiegenderen demographischen Problemen, vor allem Kommunen aus Südwestfalen sowie dem Kreis Lippe, weisen eine geringere Versorgungsgüte auf (Abb. 1). Diese Städte und Gemeinden finden sich entsprechend in der Gesamtplatzierung auf den hinteren Rängen wieder (Tab. 2).

Tab. 2: Die fünf am besten und am schlechtesten platzierten Kommunen Westfalens in den einzelnen Versorgungs­bereichen sowie im Gesamtranking mit ihrer entsprechenden Platzierung auf Bundesebene (in Klammern) (Quelle: IW 2026)

Bei Betrachtung der einzelnen Kategorien (Tab. 2) schneiden innerhalb Westfalens im Bereich "Bildung" vor allem kleine und mittlere Kommunen am besten ab, im Bereich "Gesundheit" sind es mittlere bis große Städte, in der Kategorie "Mobilität" wiederum eher mittlere und kleine (abgesehen von Dortmund), im Bereich "Digitalisierung" ist keine eindeutige Tendenz auszumachen, und bei der "Freizeit" sind vorwiegend mittelgroße Städte am besten platziert.

Abbn. 2 bis 4: Versorgungslage in den Kommunen Westfalens: Gesundheit (Abb. 2, links), Mobilität (Abb. 3, mittig), Digitales (Abb. 4, rechts) (Legende, s. Abb. 1) (Quelle: IW 2026, S. 54ff.)

Die Gesundheitsversorgung ist westfalenweit überwiegend "gut" bis "sehr gut", was sich auch in einem weitgehend homogenen Kartenbild ausdrückt (Abb. 2). Lediglich in Lichtenau (Kr. Paderborn), Kirchhundem und Finnentrop wird sie als "schlecht" bewertet. Die beiden letztgenannten Gemeinden schneiden, wie erwähnt, bei der Gesamtbetrachtung innerhalb NRWs am schlechtes­ten ab und belegen somit auch westfalenweit die letzten Plätze (Tab. 2). Deutlich heterogener zeigt sich der Bereich "Mobilität" (Abb. 3). Hier ist ein ausgeprägteres Stadt-Land-Gefälle festzustellen, das in den Grenzlagen zu Niedersachsen und Hessen, aber auch zur niederländischen Grenze hin sichtbar wird. Insgesamt am schlechtesten bewertet wird die Kategorie "Digitalisierung". Hier sind verhältnismäßig wenige (vorwiegend städtische) Kommunen "sehr gut" aufgestellt, dagegen aber eine Reihe von Städten und Gemeinden (vor allem in peripheren Räumen) "schlecht" versorgt – Borgentreich (Kr. Höxter) und Bad Laasphe (Kr. Siegen-Wittgenstein) sogar "sehr schlecht" (Abb. 4).

Beitrag als PDF-Datei ansehen/speichern (Größe: 1 MB)

↑ Zum Seitenanfang


 

Weiterführende Literatur/Quellen

  • IW Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (Hg.) (2026): Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge. Empirische Bestandsaufnahme und politische Implikationen. (inklusive Rohdaten)
    (https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2026/IW_Gutachten_PMI_ Daseinsvorsorge.pdf, https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Presse/Pressemitteilungen/Datengrundlage_Karten_Daseinsvorsorge_R%C3%A4nge_IW.xlsx; abgerufen am 11.08.2026)

Erstveröffentlichung 2026

Verwandte Beiträge