Fußball in Westfalen

01.01.2007 Gerasimos Katsaros

Kategorie: Bildung, Kultur und Sport

Schlagworte: Westfalen · Fußball · Sport

Der Fußball ist in seiner über 150-jährigen Entwicklung zu einem globalen Phänomen avanciert, das aber gleichzeitig in den lokalen bzw. regionalen gesellschaftlichen Strukturen verankert ist. Jede Stadt ist froh, einen Fußballverein in den höheren Fußballklassen zu haben, jede Stadt profitiert vom sportlichen Erfolg ihrer Vereine. "Profi-Fußball als wesentlicher Medienbestandteil transportiert immer auch standortbezogene Elemente, die den Bekanntheitsgrad und das Image der Stadt vor allem überregional beeinflussen" (Willms/ Fischer 2001, 3). Ein Fußballverein, der als Unternehmen seine Dienstleistungen im Bereich "Freizeitgestaltung" regional bzw. überregional anbietet, kann für eine Stadt bzw. Region auf unterschiedliche Weise direkte oder indirekte wirtschaftliche Effekte auslösen. Neben der Beschäftigung von Mitarbeitern kann auch die Betätigung von Investitionen in Sachkapital durch Stadionneubau bzw. -ausbau, der Verkauf von Fanartikeln und die Stadiongastronomie regionale Beschäftigungs- und Einkommenseffekte auslösen, sofern diese Leistungen von lokalen oder regionalen Unternehmen erbracht werden. Zudem kann man sowohl die regionale Kaufkraft der heimischen Stadionbesucher in den regionalen Wirtschaftskreislauf einbinden als auch die Kaufkraft der zuströmenden Gäste in die Region ziehen (vgl. Hamm 1998).

Die weltweit beliebteste Sportart ist insbesondere ein Zuschauermagnet. In der Spielsaison 2005/06 wurden allein die Spiele der 1. Bundesliga von etwa 12,5 Mio. Zuschauern besucht. Mehrere hunderttausende Zuschauer finden an jedem Spieltag den Weg in die Stadien, mittlerweile in so genannte Arenen, und erfreuen sich an den Spielen des organisierten Ligabetriebs.
Abb. 1: Vereinsmannschaften Westfalens der oberen drei Fußballligen (2005/06), deren Ligazugehörigkeit seit der Saison 1963/64, Zuschauerplätze und Stadionauslastung (Entwurf: G. Katsaros, Quellen: DFB, Katsaros 2004)
Insgesamt lässt sich eine "Wandlung" des Zuschauers erkennen, die mit den gesellschaftlichen Veränderungen einhergeht. Waren die Zuschauer früher ausschließlich treue Anhänger, die sich mit ihrem Verein identifizierten, so vergrößerte sich das Zuschauerspektrum im Laufe der Zeit und reicht heute bis zum "Event-Fan" (Grüne 2003, 486), der durch "Kundenwerbung" ins Stadion gelockt wird.

Abb. 1 zeigt die westfälischen Vereinsmannschaften, die in der Spielsaison 2005/06 in einer der drei oberen Fußballligen spielten, sowie deren Ligazugehörigkeit seit der Gründung der 1. Bundesliga in der Spielsaison 1963/64 bis zur Spielsaison 2005/2006 (43 Jahre), die Anzahl der Zuschauerplätze und die durchschnittliche Stadionauslastung während der Spielsaison 2005/2006.

Insgesamt nahmen in der Spielsaison 2005/06 neun Mannschaften an den oberen drei Klassen teil. Während die westfälischen Ruhrgebietsvereine FC Schalke 04 und BV Borussia 09 Dortmund sowie der ostwestfälische DSC Arminia Bielefeld in der 1. Bundesliga spielen, beteiligten sich der VfL Bochum 1848, der LR Ahlen (ab Mai 2006 RW Ahlen) sowie die Neulinge Sportfreunde Siegen 1899 und SC Paderborn 07 am Spielgeschehen der 2. Bundesliga. Zudem spielten SC Preußen Münster 06 und die SG Wattenscheid 09 in der Regionalliga Nord (3. Spielklasse) mit.

Die meisten Zuschauer waren in den Begegnungen der 1. Bundesliga zu registrieren, die in der Spielsaison 2005/06, in der durchschnittlich 40775 Zuschauer pro Spiel kamen, einen neuen Zuschauerrekord aufstellte (vgl. DFB 2006). Zu den meistbesuchten Stadien Deutschlands zählen das "Westfalen-Stadion", mittlerweile in "Signal Iduna Park" umbenannt, und die "Arena Auf Schalke", aktuell "Veltins-Arena". Mit einem Fassungsvermögen von 81264 Zuschauern ist der "Signal Iduna Park" das größte Fußballstadion Deutschlands. Die Stadionauslastung während der Heimspiele von BV Borussia 09 Dortmund in der Spielsaison 2005/06 betrug fast 90%. Eine noch größere Auslastung verzeichnete der FC Schalke 04. Mit über 99% waren in der gleichen Spielsaison fast alle Heimspiele ausverkauft (Tab. 1).
Tab. 1: Vereinsmannschaften Westfalens der oberen drei Fußballligen (Saison 2005/06), durchschnittliche Zuschauerzahlen und Stadionauslastung (Quellen: DFB 2006, eigene Berechnungen)

Die drei westfälischen Bundesligisten der Spielsaison 2005/06 verzeichneten mit durchschnittlich 51966 Zuschauern pro Heimspiel eine überdurchschnittlich hohe Zuschauerzahl im Vergleich zu den übrigen Bundesligisten. Dies unterstreicht die außerordentliche Stellung von BV Borussia 09 Dortmund und FC Schalke 04, denn DSC Arminia Bielefeld wies in der gleichen Spielsaison durchschnittlich 21957 Zuschauer pro Heimspiel auf. Die Stadionauslastung der Bielefelder "SCHÜCO-Arena" lag somit bei 82,5% des Zuschauerfassungsvermögens.

In der 2. Bundesliga wurde in der Spielsaison 2005/06 der Zuschauerrekord der Spielsaison 2004/05 (4144613) mit 4027394 Zuschauern knapp verfehlt (Bundesliga 2006).

Die Zuschauerzahlen hängen u.a. sehr stark von der Ligazugehörigkeit ab. Wies der VfL Bochum in der Spielsaison 2004/05 (1. Bundesliga) einen Zuschauerschnitt von 26501 Personen auf, so wurden die Heimspiele während seiner Zweitligazugehörigkeit in der Spielsaison 2005/06 durchschnittlich von 18185 Zuschauern besucht. Eine Ligaabhängigkeit ist auch bei den Besucherzahlen der Spfr. Siegen und des SC Paderborn zu registrieren. Nachdem beide Vereine 2005 den Aufstieg in die 2. Liga schafften, stieg ihre Stadionauslastung jeweils um 90% bzw. 50% an.

Der LR Ahlen verzeichnete in der Spielsaison 2005/06 ein durchschnittliches Zuschaueraufkommen pro Heimspiel von "nur" 4536 Personen. Dies kann einerseits mit einer im Vergleich zu den anderen hier behandelten Mannschaften fehlende Tradition beim LR - der LR Ahlen entstand erst 1996 aus der Fusion von TuS Ahlen 1945 mit Blau-Weiß Ahlen - erklärt werden, andererseits mit der Größe der Stadt, die mit gut 55000 Einwohnern in einer ländlich geprägten Region nur über ein kleineres Zuschauerpotenzial verfügt.

Der SC Preußen Münster 06 und die SG Wattenscheid 09, zwei weitere westfälische Vereine mit ehemaliger 1. Bundesligapräsenz, jedoch in erster Linie Vereine mit mehrjähriger Spielpraxis in der 2. und 3. Fußballklasse, zeigen, dass ihr Besucherpotenzial geringer ist als bei den anderen westfälischen Konkurrenten. Die SG Wattenscheid 09 spielte in der Spielsaison 2004/05 sogar in der Oberliga Westfalen viertklassig, schaffte aber den direkten Wiederaufstieg in die Regionalliga Nord. Ihre Heimspiele in der Spielsaison 2005/06 wurden durchschnittlich von 2155 Personen verfolgt. Gleichzeitig wiesen die Heimspiele des SC Preußen Münster 06 einen Zuschauerschnitt von 4064 auf, was einer durchschnittlichen Stadionauslastung von 27% entspricht. Diese kam insbesondere durch höhere Zuschauerzahlen in der Rückrunde zustande, als Münster gegen den Abstieg spielte.

Die Kommerzialisierung des Fußballs spiegelt sich nicht nur in den zunehmenden Zuschauerzahlen, sondern auch in den geänderten Stadiennamen wider. "Veltins-Arena", "Signal Iduna Park" und "SCHÜCO-Arena" sind schon drei Beispiele aus dem westfälischen Raum. Die im Aufbau befindliche "Paragon-Arena" des SC Paderborn 07 zeigt, dass sich diese Entwicklung nicht nur auf die 1. Bundesliga beschränkt.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2007