Anteile der ausländischen Bevölkerung in Westfalen am 31.12.2025
In den letzten 15 Jahren erlebte Deutschland einige bedeutende Zuwanderungswellen, die die hiesige Gesellschaftsstruktur nachhaltig veränderten. Für einen starken Zustrom von Zugewanderten und Flüchtlingen sorgte u.a. die Erlangung der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit im Jahr 2011 für Menschen aus Polen und 2014 aus Rumänien, was viele Einwohner aus diesen Ländern hierherführte. Später hatte der Bürgerkrieg in Syrien zur Folge, dass allein 2015 und 2016 etwa 1,8 Mio. Menschen nach Deutschland flohen, und seit 2022 flüchten Ukrainerinnen und Ukrainer vor dem russischen Angriffskrieg zu uns (s. Beitrag Wittkampf). Die Ausländerzahlen und ihre Anteile an der Gesamtbevölkerung erhöhten sich hierdurch deutlich. Zu unterscheiden von den "Ausländern" sind die Menschen "mit Migrationsgeschichte", von denen viele – durch Geburt oder Einbürgerung – inzwischen einen deutschen Pass besitzen. Im Folgenden geht es jedoch speziell um die hier lebende ausländische Bevölkerung.
Ausländerquoten in den Kreisen und kreisfreien Städten
In Westfalen stieg die Zahl der ausländischen Bevölkerung zwischen 2015 und 2025 um 50,9% an. Die absoluten Werte zeigt Tabelle 1.
Bei rd. 8,3 Mio. Einwohnern in Westfalen Ende 2025 ergibt sich für diesen Zeitpunkt eine Ausländerquote von 16,1% (in NRW insges.: 18,1 %).
In den Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens sind die Anteile an der Gesamtbevölkerung allerdings sehr unterschiedlich, wie Abbildung 1 verdeutlicht. Sie reichen von 9,3% im Kreis Höxter (zum Vergleich: 2015 = 4,3%) bis 28,8% in Gelsenkirchen (2015: 19,0%). In den Ruhrgebietsstädten, in denen insbesondere der türkische Bevölkerungsanteil in den letzten Jahrzehnten immer schon vergleichsweise hoch war, lagen die Quoten der ausländischen Bevölkerung Ende 2025 durchweg bei über 20%.
Nationalitätengruppen
Wenn man die verschiedenen Nationalitätengruppen ins Verhältnis zur Gesamtheit der ausländischen Bevölkerung setzt, so ergeben sich beim Blick auf die Kreise und kreisfreien Städte interessante Unterschiede. Fünf Nationalitäten hatten, was ihre zahlenmäßige Bedeutung betrifft, ein besonderes Gewicht. Zusammengerechnet machen sie in Westfalen Ende 2025 knapp die Hälfte (49,2%) der hier lebenden ausländischen Bevölkerung aus (Tab. 2).
Tabelle 3 zeigt auf Kreisebene für die jeweils größten Nationalitätengruppen die prozentualen Anteile an der jeweiligen Gesamtzahl der ausländischen Bevölkerung. In 13 der insgesamt 27 Kreise und kreisfreien Städte Westfalens stellen die Menschen türkischer Nationalität Ende 2025 die größte ausländische Gruppe dar. Vor allem im Ruhrgebiet ist dies der Fall. Anderswo sind inzwischen die Menschen aus der Ukraine in der Überzahl. Nur in den Kreisen Borken und Gütersloh sowie in der Stadt Bochum bilden andere nichtdeutsche Nationalitäten die stärkste Gruppe.
Beachtenswert sind auch die Prozentwerte, die die jeweils größten ausländischen Nationalitätengruppen erreichen (Tab. 3). In Bottrop, Gelsenkirchen, Hamm, Herne und in den Kreisen Recklinghausen und Unna dominiert die türkische Gruppe deutlich (Anteile jeweils um 25%). In Münster dagegen sind viele andere Nationalitäten stark vertreten, sodass dort die Gruppe mit dem höchsten Anteil (Ukraine) auf lediglich 8,5% kommt. Der besondere "Nationalitätenmix" verhindert also in Münster die Dominanz einer bestimmten Gruppe. Dies hat Vor- und Nachteile, die z.B. den muttersprachlichen Schulunterricht, die Kulturpflege oder die adressatengerechte Sprache amtlicher Verlautbarungen betreffen können.
Auffällige Singularitäten (Tab. 3)
Im Kreis Borken bilden die Niederländer/innen mit 16,7% aller Ausländer die größte Gruppe. Hier spielen vor allem die Immobilienpreise diesseits und jenseits der deutsch-niederländischen Grenze eine entscheidende Rolle. Laut dem Internetportal "ImmoScout24" lag 2025 der durchschnittliche Kaufpreis für Häuser im Kreis Borken (nach eigenen Berechnungen) bei knapp 2.900 Euro/m2. Für die niederländische Provinz Gelderland jenseits der Grenze hingegen wurde für dasselbe Jahr ein entsprechender Wert von knapp 4.600 Euro/m2 ermittelt (Properstar 2026, eigene Berechnungen). Zudem sind die Lebenshaltungskosten in den Niederlanden im Durchschnitt höher als in Deutschland (eurostat 2025). Viele Niederländer wohnen deshalb in Deutschland und fahren als Grenzpendler zu ihrer Arbeitsstelle in den Niederlanden.
Menschen aus dem Irak stellen in Bielefeld – nach denen aus der Türkei – mit 9% aller Ausländer die zweitstärkste Nationalitätengruppe dar. Nach den im Jahr 2014 durch die Terrorgruppe "Islamischer Staat" an den Jesiden verübten Massenmorden im Nordirak haben sich viele jesidische Flüchtlinge in Bielefeld zusammengefunden. Das "Westfalen-Blatt" (20.02.2022) bezifferte hier ihre Anzahl im Jahr 2022 auf rd. 14.000.
Im Kreis Gütersloh fällt der hohe Anteil der Menschen mit rumänischer Staatsbürgerschaft auf, die dort über 20% der ausländischen Bevölkerung ausmachen. Ein wichtiger Gund hierfür sind die zahlreichen südosteuropäischen Arbeitskräfte bei Tönnies (jetzt "Premium Food Group"), einem der größten europäischen Unternehmen der Fleischbranche. Von den etwa 7.000 Beschäftigten am Hauptstandort Rheda-Wiedenbrück stammt ein großer Teil aus Rumänien.
Der Ennepe-Ruhr-Kreis und der Märkische Kreis weisen noch immer relativ große Nationalitätengruppen aus südeuropäischen Ländern auf, aus denen um und nach 1960 viele "Gastarbeiter" nach Deutschland kamen. Nicht nur im Ruhrbergbau, sondern auch in den Industrien Südwestfalens wurden in den "Wirtschaftswunderjahren" Arbeitskräfte benötigt. Insbesondere aus Italien und Griechenland kehrten relativ viele Menschen nicht in ihre alte Heimat zurück, sondern blieben in der Region.
Im Hochsauerlandkreis und im Kreis Olpe hat man sich um das Jahr 2000 dafür stark gemacht, dass Flüchtlinge aus dem Kosovo hierbleiben konnten, weil sie auf dem Arbeitsmarkt gebraucht wurden. Anderswo erhielten sie in der Regel bis dahin kein Bleiberecht. Die Zeitschrift "Der Spiegel" publizierte am 17.09.2000 einen Bericht unter der Überschrift "Die Leute bleiben hier". In einer Unterzeile hieß es: "Die Arnsberger wollen ihre Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Kosovo behalten." Dies wirkte wie eine Art "Pull-Faktor" – auch außerhalb des Sauerlandes. Die Gruppe der Kosovaren ist seither im südlichen Westfalen relativ stark vertreten.
Weiterführende Literatur/Quellen
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Der Spiegel vom 17.09.2000: "Die Leute bleiben hier".
(https://www.spiegel.de/panorama/die-leute-bleiben-hier-a-137a47ca-0002-0001-0000-000017376227; abgerufen am 23.04.2026) -
Dietz, B. (2022): Migration aus Polen, Rumänien und Bulgarien seit den EU-Osterweiterungen.
(https://www.bpb.de/themen/migration-integration/regionalprofile/509949/migration-aus-polen-rumaenien-und-bulgarien-seit-den-eu-osterweiterungen; abgerufen am 24.04.2026) -
eurostat (Hg.) (2025): Kaufkraftparitäten, Preisniveauindizes sowie nominale und reale Ausgaben nach analytischen Kategorien – basierend auf dem Coicop 1999. (letzte Aktualisierung: 10.07.2025)
(https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/prc_ppp_ind__custom_13726138/bookmark/table?lang=de&bookmarkId=d4b98a7d-3278-4e2f-b98f-13f9fa630d50&c=1731421651135; abgerufen am 24.04.2026) -
Immobilien Scout GmbH (Hg.) (2026): Immobilienpreise in Borken (Kreis).
(https://www.immobilienscout24.de/immobilienpreise/nordrhein-westfalen/borken-kreis?mapCenter=51.98632%2C6.83075%2C9.502998912908383; abgerufen am 24.04.2026) -
IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026): Ausländische Bevölkerung nach Geschlecht und Kontinente (6) – kreisfreie Städte und Kreise – Stichtag.
(https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=12521-02i&bypass=true&levelindex=1&levelid=1776846483866; abgerufen am 22.04.2026) -
IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026): Ausländische Bevölkerung nach Geschlecht und Staatsangehörigkeiten (215) – kreisfreie Städte und Kreise – Stichtag.
(https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=12521-03i&bypass=true&levelindex=1&levelid=1776846483866; abgerufen am 22.04.2026) -
IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026): NRW: Zahl der Ausländerinnen und Ausländer ging 2025 leicht zurück auf 3,27 Mio. (Pressemitteilung vom 13.04.2026)
(https://www.it.nrw/nrw-zahl-der-auslaenderinnen-und-auslaender-ging-2025-leicht-zurueck-128286; abgerufen am 22.04.2026) -
Properstar (Hg.) (2026): Gelderland: Immobilienpreise und Quadratmeterpreis.
(https://www.properstar.de/niederlande/gelderland/immobilienpreise; abgerufen am 24.04.2026) -
Regionalverband Ruhr (Hg.) (2026): Sozialkonferenz Ruhr – Integration und Arbeit: Südosteuropäische Migration im Ruhrgebiet.
(https://www.rvr.ruhr/fileadmin/user_upload/01_RVR_Home/02_Themen/Wissen_Bildung_Soziales/Sozialkonferenz/Sozialkonferenz_2025/RVR_SKR_DOKU_2025_RZ_1.pdf; abgerufen am 24.04.2026) -
Westfalen-Blatt vom 20.02.2022: Massenpicknick der Jesiden an der Radrennbahn.
(https://www.westfalen-blatt.de/owl/bielefeld/massenpicknick-der-jesiden-an-der-radrennbahn-2560272; abgerufen am 24.04.2026) -
Wittkampf, P. (2016): Ausländeranteile in Westfalen 2015.
(https://www.westfalen-regional.de/media/filer_public/a0/56/a056b5a2-5010-4499-86fa-43bb0110e684/257n_auslaender.pdf) -
https://www.westfalen-regional.de/de/ukraine_gefluechtete
Erstveröffentlichung 2026