Jährlich geleistete Arbeitsstunden und Teilzeitbeschäftigung in Westfalen

27.03.2026 Peter Wittkampf

Kategorie: Wirtschaft

Schlagworte: Westfalen · Arbeitsmarkt

Inhalt

Statistische Grundlagen

Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel, der demographische Wandel sowie die öffentliche Diskussion um das Arbeitszeitvolumen haben in letzter Zeit verstärkt die Frage nach der Arbeitszeit aufgeworfen. Am 26.02.2026 veröffentlichte das Statistische Landesamt NRW (IT.NRW 2026a) eine Nachricht mit folgender Überschrift: "NRW: Erwerbstätige arbeiteten 2024 durchschnittlich vier Stunden weniger als ein Jahr zuvor". Danach betrug die Anzahl der von den Erwerbstätigen geleisteten Arbeitsstunden im gesamten Jahr 2024 in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1.319 Stunden. Im Jahr 2019, also vor der Corona-Pandemie (s. Beitrag Wittkampf), waren waren es noch 1.343 Stunden.

Abb. 1: Durchschnittlich geleistete Arbeitsstunden der Erwerbstätigen im Jahr 2024 in den Kreisen/kreisfreien Städten Westfalens (Quelle: IT.NRW 2026a)

In den meisten europäischen Ländern ist die Jahressumme der Arbeitsstunden höher als in Deutschland.

Als Erwerbstätige werden alle Beschäftigten gerechnet, die in Voll- oder Teilzeit eine auf wirtschaftlichen Erwerb ausgerichtete Tätigkeit ausüben. Hierzu gehören auch Beamte, Selbstständige, "Minijobber" und mithelfende Familienangehörige. Ausfalltage z.B. durch Urlaub, Krankheit, Kurzarbeit oder Elternzeit fließen nicht in die Berechnung ein.

Dass die Gesamt-Arbeitstage von Jahr zu Jahr etwas schwanken können, hängt u.a. von der Zahl der gesetzlichen Feiertage ab, die auf einen Arbeitstag fallen. Sie betrug allerdings in den genannten Beispieljahren 2019 und 2024 in Nordrhein-Westfalen jeweils 11. Deutliche Unterschiede gibt es dagegen auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte. Laut IT.NRW spielen hierbei vor allem die Anteile der Teilzeitbeschäftigten eine entscheidende Rolle. Im Verarbeitenden Gewerbe beispielsweise "fällt der Anteil der Teilzeitbeschäftigten und der marginal Beschäftigten vergleichsweise niedriger aus als im Dienstleis­tungsbereich" (IT.NRW 2026a).

Abbildung 1 gibt einen Überblick über die 2024 in Summe geleisteten Arbeitsstunden in den Teilräumen Westfalens. Im industriell geprägten Kreis Gütersloh war der Wert mit durchschnittlich 1.346 Stunden westfalenweit am höchsten. In Bottrop wurden dagegen lediglich 1.279 Arbeitsstunden geleistet, im Kreis Recklinghausen waren es 1.281.

Abb. 2: Durchschnittlich geleistete Arbeitsstunden der Erwerbstätigen im Jahr 2024 in ausgewählten Wirtschaftsbereichen in den Kreisen/kreisfreien Städten Westfalens (Quelle: IT.NRW 2026a)

Die Situation in ausgewählten Wirtschaftsbereichen im Jahr 2024

Bei Betrachtung der jährlichen Arbeitsstunden speziell der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe fallen viele Kreise bzw. kreisfreie Städte mit relativ hohen Werten von über 1.400 auf (Abb. 2). Die meis­ten Stunden werden hier vor allem in Städten des Ruhrgebietes geleistet, darunter Hamm (1.440), Gelsenkirchen (1.436) und Dortmund, außerdem im Kreis Gütersloh (je 1.431). Der Ennepe-Ruhr-Kreis (1.429), Herne und Hagen (je 1.426) lagen nur knapp darunter. Dagegen wurden für den Kreis Höxter lediglich 1.372 Arbeitsstunden errechnet. Auch die Münsterlandkreise Coesfeld (1.389), Steinfurt (1.391) und Borken (1.394) blieben im Verarbeitenden Gewerbe unter der Marke von 1.400 Stunden. Dies hat vor allem strukturelle Gründe: Die seit 2008 offiziell geltende "Klassifikation der Wirtschaftszweige" zählt zum Verarbeitenden Gewerbe nicht nur die Industrie, sondern beispielsweise auch solche Handwerkssparten, die Rohstoffe oder Halbfertigwaren zu Endprodukten verarbeiten. Hierzu gehören u.a. Bäcker, Fleischer, Tischler, Drucker und Steinmetze. Da insbesondere für das Müns­terland kleinere und mittlere Betriebe charakteristischer sind als etwa große Industrieunternehmen, und weil in den kleineren Betrieben, vor allem in den genannten Handwerkssparten häufig auch Teilzeitkräfte beschäftigt sind, hat dies hier niedrigere Werte zur Folge. Im Kreis Höxter sind indus­trielle Großunternehmen ebenfalls eher untypisch.

Im Bereich Handel, Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe, Information und Kommunikation (Abb. 2) haben in Westfalen sehr bedeutende Unternehmen mit z.T. erheblicher Größe ihren Sitz, darunter Bertelsmann in Gütersloh (s. Beitrag Grothues), der Lebensmittellogistiker Nagel-Group in Versmold und Agravis-Raiffeisen in Münster. Die Jahres-Arbeitsstunden liegen im Durchschnitt noch höher als im Verarbeitenden Gewerbe. Die beiden Spitzenwerte wiesen im Jahr 2024 Münster (1.546) und Bielefeld (1.541) auf. Unter der Marke von 1.500 blieben in Westfalen nur Herne (1.495), Hagen (1.497) und der Kreis Unna (1.499).

Deutlich niedrigere Jahres-Arbeitsstunden verzeichnet der Bereich öffentliche und private Dienstleis­tungen, Erziehung und Gesundheit (Abb. 2). Der Hauptgrund ist hier die hohe Quote von Teilzeitarbeit – allen voran in der Bildung und Erziehung, der Alten- und Krankenpflege sowie in der Gastronomie und Verwaltung (1a-stellenmarkt.de, 04.12.2024).

Die höchste Stundenzahl im Bereich Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit erreichte 2024 Dortmund (1.331), die niedrigste der Kreis Warendorf (1.241) (Abb. 2).

Tab. 1: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: Frauen- und Teilzeitquoten (Stand 31.12.2024) (Quelle: IT.NRW 2026b, eigene Berechnungen)

Frauenquoten und Teilzeit­quoten

Bei der Frauenquote und der Teilzeitquote wird nicht die Gesamtzahl der Erwerbstätigen zugrunde gelegt, sondern nur die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB). Laut IT.NRW (2026b) lag der Anteil derjenigen SvB, die in Teilzeit arbeiten, im Juni 2025 landesweit bei 30,4% (06/2015: 25,7%). Die Teilzeitquote betrug bei Männern 2025 13,9%, bei Frauen 49,9%. Bei den Frauen war der mit Abstand wichtigste Grund die Betreuung von Kindern oder erwerbsunfähigen Erwachsenen. Im Übrigen sind Schichtdienste (z.B. beim Pflegepersonal) und "Stoßzeiten" (z.B. in der Gastronomie) wichtige Gründe dafür, dass Arbeitskräfte nicht durchgängig in Vollzeit arbeiten.

Tabelle 1 zeigt an wenigen Beispielen, wie unterschiedlich auch hier die Quoten innerhalb Westfalens sein können.

Tab. 2: Westfälische Kommunen mit den höchs­ten / niedrigsten Teilzeitquoten bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort (Stichtag 30.06.2025) (Quelle: IT.NRW 2026c)

Noch deutlicher als auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte zeigen sich speziell bei der Teilzeitquote die räumlichen Disparitäten auf der kommunalen Ebene. Tabelle 2 zeigt die Städte und Gemeinden mit den höchsten bzw. niedrigsten Teilzeitquoten in Westfalen. Die Gemeinde Recke im Kreis Steinfurt als Kommune mit dem höchsten Wert bietet nur verhältnismäßig wenig Arbeitsmöglichkeiten, der Auspendlerüberschuss ist entsprechend hoch. Speziell von den Frauen, die dort als SvB arbeiten, waren Ende 2024 knapp 69% teilzeitbeschäftigt (IT.NRW 2026d). In Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh, der Kommune mit der niedrigsten Teilzeitquote, haben u.a. Unternehmen der Holz- und Möbelindustrie, des Fahrzeugbaus und der Fleischindustrie (Fa. Tönnies) ihren Sitz. In Verl, ebenfalls im Kreis Gütersloh und mit der insgesamt zweitniedrigsten Teilzeitquote, gibt es bedeutende Großunternehmen, darunter Nobilia (Hersteller von Einbauküchen, s. Beitrag Grothues), Beckhoff (Elektroindustrie), Teckentrup (Metalltore) und Heroal (Aluminium-Profile). Sowohl in Rheda-Wiedenbrück als auch in Verl überwiegen bei den SvB die Männer und die Vollzeitbeschäftigten sehr deutlich (IT.NRW 2026e u. f).

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Weiterführende Literatur/Quellen

  • 1a-stellenmarkt.de, 04.12.2024: Welche Branchen bieten die meisten Teilzeitjobs an?

    (https://www.1a-stellenmarkt.de/fuer-jobsuchende/flexible-arbeitsmodelle/teilzeit/fragen-zu-teilzeit/20241005_37067; abgerufen am 19.03.2026)

  • Bundesagentur für Arbeit (Hg.) (2025): Arbeitsmarktsituation im Verarbeitenden Gewerbe.
    (https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Wirtschaftszweige/generische-Publikationen/Arbeitsmarktsituation-Verarbeitendes-Gewerbe.pdf; abgerufen am 19.03.2026)

  • ifo Institut (Hg.) (2024): Anzahl der Teilzeitkräfte in den letzten fünf Jahren erhöht (3. Quartal 2024) (Meldung vom 19.09.2024)
    (https://www.ifo.de/fakten/2024-09-19/anzahl-teilzeitkraefte-2024; abgerufen am 19.03.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026a): NRW: Erwerbstätige arbeiteten 2024 durchschnittlich vier Stunden weniger als ein Jahr zuvor. (Pressemitteilung vom 26.02.2026 incl. Datengrundlage)
    (https://www.it.nrw/nrw-erwerbstaetige-arbeiteten-2024-durchschnittlich-vier-stunden-weniger-als-ein-jahr-zuvor-128171; abgerufen am 18.03.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026b): Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Arbeitsort) nach Wirtschaftsabschnitten (13), Geschlecht, Nationalität und Beschäftigungsumfang - Kreise – Stichtag.
    (https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=13111-46i&bypass=true&levelindex=0&levelid=1773648396956; abgerufen am 16.03.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026c): NRW: Nahezu ein Drittel der Beschäftigten war 2025 in Teilzeit tätig. (Pressemitteilung vom 03.02.2026 incl. Datengrundlage)
    (https://www.it.nrw/nrw-nahezu-ein-drittel-der-beschaeftigten-war-2025-teilzeit-taetig-128111; abgerufen am 16.03.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026d): Kommunalprofil Recke.
    (https://statistik.nrw/sites/default/files/municipalprofiles/l05566072.pdf; abgerufen am 17.03.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026e): Kommunalprofil Rheda-Wiedenbrück.
    (https://statistik.nrw/sites/default/files/municipalprofiles/l05754028.pdf; abgerufen am 17.03.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026f): Kommunalprofil Verl.
    (https://statistik.nrw/sites/default/files/municipalprofiles/l05754044.pdf; abgerufen am 17.03.2026)

  • Menkens, S. (2026): Die Wahrheit über Frauen in Teilzeit. In: DIE WELT, 06.03.2026

  • https://www.westfalen-regional.de/de/bertelsmann_2025

  • https://www.westfalen-regional.de/de/corona

  • https://www.westfalen-regional.de/de/nobilia

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Erstveröffentlichung 2026

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