Die umsatzstärksten Unternehmen in Westfalen 2021

17.08.2022 Peter Wittkampf

Kategorie: Wirtschaft

Schlagworte: Westfalen · Unternehmensranking

Inhalt

"Rankings" von Unternehmen berücksichtigen z.T. sehr verschiedene Kriterien, die dann zu unterschiedlichen Rang-Platzierungen führen können (s. Beitrag Wittkampf). Wenn es speziell um das Wachstum von Unternehmen und um das Wirtschaftsklima geht, wird vor allem auf die Umsätze und die Umsatzentwicklung geschaut.

Die Zeitung DIE WELT veröffentlicht jährlich die Übersicht "TOP-500" über die 500 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands.

Das am 4. Juli 2022 publizierte Ranking zeigt nicht nur den aktuells­ten Stand der Höhe der Unternehmensumsätze, sondern es lassen sich daraus auch Rückschlüsse auf die Bedeutung der Corona-Pandemie und anderer Einflussfaktoren ziehen.

Vergleich Rheinland – Westfalen

2021 hatten von den 500 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands 125 ihren Unternehmenssitz in Nordrhein-Westfalen, 40 davon im Landesteil Westfalen. Aber auch hinsichtlich der Höhe der Umsätze gibt es deutliche Unterschiede zwischen dem Rheinland und Westfalen. Der Düsseldorfer Energieversorger Uniper beispielsweise, im Jahr 2016 aus dem Unternehmen E.ON hervorgegangen, erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von fast 164 Mrd. Euro. Uniper belegte damit, wenn es nur um die Umsatzhöhe geht, in Deutschland Platz 2 – hinter Volkswagen. 2022 allerdings geriet Uniper wegen der europäischen Gasversorgungsprobleme in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Auch die Deutsche Post DHL (Bonn), E.ON (Essen) und die Rewe Group (Köln) befanden sich mit Umsätzen zwischen 109 und 76 Mrd. Euro im Jahr 2021 unter den "TOP 12" in Deutschland.

Das erste westfälische Unternehmen folgte 2021 im Ranking der "TOP 500" erst auf Platz 50: Für Bertelsmann (s. Beitrag Grothues) wurde ein Umsatz von knapp 18,7 Mrd. Euro verzeichnet. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass einige der acht Bertelsmann-Unternehmensteile gesondert berücksichtigt werden. Eines davon ist "Arvato", ebenfalls in Gütersloh ansässig. Der Logistik- und Finanzdienstleister, der z.B. Callcenter betreibt und auch Informationstechnologien bereitstellt, nimmt im Deutschland-Ranking Platz 157 ein.

Branchenverteilung

Während in Deutschland fast drei Viertel aller Unternehmen zum Dienstleistungssektor – und nur knapp ein Viertel zum "produzierenden Gewerbe", also zum sekundären Sektor, gerechnet werden, besteht in Westfalen nur bei knapp der Hälfte der 40 umsatzstärksten Unternehmen das Kerngeschäft aus Handel und Dienstleistung. Die Wirtschaft in Westfalen stützt sich generell vor allem auf familiengeführte, mittelständische Industrieunternehmen (s. Beitrag Wittkampf). Sowohl westfalenübergreifend also auch in der "Spitzengruppe" der umsatzstärks­ten Industrieunternehmen sind der Maschinen- und Landmaschinenbau, die Automobilzulieferung, die Elektrotechnik und die Kunststoffverarbeitung stark vertreten. Auffällig viele Unternehmen beschäftigen sich außerdem mit Agrarprodukten und Nahrungs- bzw. Lebensmitteln: Dr. Oetker (s. Beitrag Grothues), Tönnies, Saria, Westfleisch und Melitta als industrielle Produzenten, Agravis Raiffeisen (s. Beitrag Grothues) und Edeka Minden-Hannover als Dienstleister und Handelsorganisatoren sowie Gelsenwasser als Wasserversorger.

Einige Unternehmen erzielten bei einer verhältnismäßig geringen Anzahl an Beschäftigten sehr hohe Umsätze. Dies war z. B. bei Amprion, EK, West-Lotto und VME der Fall (Tab. 1). Bei EK und VME handelt es sich um Handelskooperationen, zu denen jeweils etliche Mitgliedsunternehmen bzw. verschiedene Handelshäuser gehören.

Tab. 1: Die umsatzstärksten Unternehmen in Westfalen 2021 innerhalb der "TOP-500" Deutschlands (Quelle: DIE WELT, 04.07.2022, S. 16f.)

Entwicklungen 2020 – 2021

Die jüngsten Entwicklungen der Wirtschaft waren überall durch die Corona-Pandemie, durch Unterbrechungen der Waren- und Lieferketten und durch teilweise wochenlange Schließungen von Geschäften und Warenhäusern geprägt. Bei den Fleischproduzenten Tönnies und Westfleisch kam zu den Corona-Erkrankungen vieler – meist ausländischer – Arbeitskräfte noch eine zunehmende Skepsis bei immer mehr Menschen gegenüber dem bisherigen Fleischkonsum hinzu. Die Folgen waren Umsatzrückgänge um 10%. Dabei fällt etwa im Fall "Westfleisch" die sehr große Zunahme der Beschäftigtenzahl auf. Die Gründe liegen überwiegend in der Tatsache, dass Arbeitskräfte, für die früher "Werkverträge" üblich waren, jetzt in die reguläre Belegschaft übernommen wurden bzw. werden mussten.

Beim Stromnetzbetreiber Amprion (verfügt über das zweitgrößte Höchstspannungsnetz in Deutschland) waren die starken Umsatzrückgänge – nach eigener Aussage – vor allem eine Folge des coronabedingten Rückgangs beim Stromverbrauch und der zunehmenden Bedeutung der erneuerbaren Energien (www.amprion.net/.../Marktbericht-2021).

Es gab aber auch Unternehmen mit deutlichen Umsatzsteigerungen: Einen Boom löste u.a. die Corona-Pandemie aus, beispielsweise bei Häusern sowie bei Wohnungsneu- oder -umbaumaßnahmen, bei Wohnungsmodernisierungen und -einrichtungen. Dadurch profitierten z.B. die Unternehmen Vonovia, Goldbeck, Schüco, Zedach, VME und Veka.

Zusätzlich gab es teilweise erhebliche Nachfragesteigerungen in anderen Staaten oder Kontinenten, etwa bei Schüco (Systemanbieter für Fenster, Türen und Fassaden) oder Veka (Produzent von Kunststoff-Profilsystemen für Fenster, Türen und Rollläden).

Übernahmen von Anteilen anderer Unternehmen spielten etwa bei Gelsenwasser eine Rolle, bei Claas waren neue Mähdrescher- und Traktorentypen stark nachgefragt.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2022