Niveau-Ranking der Städte und Gemeinden in Westfalen 2025

05.01.2026 Rudolf Grothues

Kategorie: Siedlung

Schlagworte: Westfalen · Städteranking

Inhalt

Im Auftrag der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH Mitte 2025 das "Kommunalranking NRW" veröffentlicht. Aus dieser Studie wurden für den folgenden Beitrag die 231 Städte und Gemeinden Westfalens isoliert und in ein eigenes Ranking umgerechnet, das die aktuelle Situation der Kommunen widerspiegelt. Bei diesem "Niveau-Ranking" erreichen beispielhaft die Städte Blomberg (Kr. Lippe) und Verl (Kr. Gütersloh), die innerhalb von NRW noch auf den Plätzen 2 und 3 standen, im rein westfälischen Vergleich die Spitzenplätze 1 und 2. Die Stadt Hamm, NRW-weit auf dem 371. Platz, belegt innerhalb Westfalens den 221. Platz.

Die Methodik

Beim Niveau-Ranking wird der Status quo aller Kommunen für den aktuell verfügbaren Zeitpunkt erhoben, und zwar anhand von 17 Indikatoren, die den vier Themenbereichen Wirtschaft, Arbeit, Wohnen und Lebensqualität zugeordnet werden. Jeder Indikator erhält die gleiche Gewichtung, die Ausprägung wird standardisiert und in eine Werteskala von 0 bis 100 transformiert. Alle Werte werden dann wiederum in einer Skala von 0 bis 100 zusammengefasst. Da die Punktewerte aber z.T. nur sehr kleine Abstände aufweisen und damit eine eher geringe Aussagekraft haben, geht es letztlich weniger um die konkrete Platzierung als vielmehr um die generalisierende Einordnung, ob eine Kommune eher zu den "stärkeren" oder "schwächeren" gehört.

Indikatoren, die zum Bereich Wirtschaft zählen, sind Breitbandversorgung, Gewerbesteuerhebesätze, gemeindliche Steuerkraft und Patent­anmeldungen. Unter den Bereich Arbeiten fallen der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter an allen Erwerbsfähigen, die Beschäftigungsrate von Frauen und die Beschäftigungsrate von über 55-Jährigen. Zum Wohnen zählen Baugenehmigungen, Wohnungsneubau, Breitbandversorgung privater Haushalte und Wohnfläche je Einwohner. Die Lebensqualität umfasst die Kaufkraft, Wanderungen, den Altersquotient aus 20–60-Jährigen zu über 60-Jährigen, die Nähe zur Autobahn, den Anteil naturnaher Flächen und die Dichte der Arztpraxen.

Abb. 1: Niveau-Ranking der Städte und Gemeinden in Westfalen 2025 (Quelle: IW Consult GmbH 2025)

Die Ergebnisse

Abbildung 1 zeigt die 231 Kommunen in Westfalen. Die leistungsstärksten Kommunen sind vor allem im westlichen Münsterland und im westlichen Ostwestfalen zu finden. Dabei fallen Heiden (Kr. Borken), Recke und Nordwalde (beide Kr. Steinfurt) durch eine besonders starke Entwicklung beim Indikator Wohnungsbau auf. Müns­ter überzeugt bei der Lebensqualität durch einen jungen Altersquotienten, also dem Verhältnis zwischen den 20- bis 60-Jährigen und den über 60-Jährigen, sowie durch eine hohe Ärztedichte. Die Städte Haltern am See und Drensteinfurt besitzen eine vergleichsweise hohe Kaufkraft.

Die TOP-12-Kommunen Westfalens sind in Tabelle 1 aufgelistet. Auf Platz 1 steht dabei die Stadt Blomberg, die vor allem mit Patentanmeldungen, der Beschäftigungsquote älterer Menschen und geringen Gewerbesteuerhebesätzen punktet. Ein wichtiger Faktor für das gute Abschneiden Blombergs ist die ansässige Firma Phoenix Contact, deren rd. 6.000 Mitarbeitende in einer Kommune mit rd. 16.000 Einwohnern sicherlich eine bedeutende Rolle für die hiesige Arbeitswelt, Infrastrukturausstattung und kommunalen Finanzen spielt. Auch die Patentanmeldungen der Firma wirken positiv auf das Ergebnis der Stadt.

Tab. 1: Die zwölf "stärksten" Kommunen Westfalens im Niveau-Ranking (Platzierung) (Quelle: IW Consult GmbH 2025)

Auffallend ist ferner die große Konzentration "starker" Kommunen um die Stadt Gütersloh, auch Verl und Harsewinkel, die im Niveau-Ranking die Plätze zwei und drei einnehmen, befinden sich hier. Auch in Südwestfalen sind einige der "stärkeren" Kommunen angesiedelt. Die Gemeinde Schalksmühle (Märkischer Kr.) z.B. punktet mit guten wirtschaftlichen Standortbedingungen, guter gemeindlicher Steuerkraft sowie Kaufkraft und ist damit die am besten platzierte Kommune im Regierungsbezirk Arnsberg.

Die Kommunen Bad Wünnenberg (Kr. Paderborn) und Heiden finden sich in diesem Ranking, aber auch im Dynamik-Ranking (s. Beitrag Grothues) auf den vorderen Plätzen wieder.

Beim Niveau-Ranking ist Heiden die aktuell führende Kommune im Regierungsbezirk Münster – vor Altenberge, Oelde, Drensteinfurt und Sendenhorst. Heiden punktet auch bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie der digitalen Infrastruktur und den Gewerbesteuern. Die höchste Beschäftigungsquote älterer Menschen in ganz NRW weist Rosendahl (Kr. Coesfeld) auf, während Schöppingen (Kr. Borken) die höchste Frauenbeschäftigungsquote besitzt.

Im Regierungsbezirk Arnsberg weisen vor allem Schmallenberg, Bad Berleburg und Ense hohe Beschäftigungsanteile von Frauen auf, während diese in Lünen und Wickede besonders niedrig sind. Die Gemeinde Möhnesee hingegen weist im Teilbereich Lebensqualität positive Ergebnisse bei der Kaufkraft und Wanderungen auf.

Tab. 2: Die zwölf "schwächsten" Kommunen Westfalens im Niveau-Ranking (Platzierung) (Quelle: IW Consult GmbH 2025)

Zu den Schlusslichtern beim Niveau-Ranking zählen vor allem Ruhrgebietsstädte (Tab. 2), deren wirtschaftliche Umbrüche in den 1980er Jahren bis heute nachwirken. Besonders negativ fallen hier die Arbeitsplatzversorgung und die Beschäftigungsquoten von Frauen und älteren Menschen auf. Auch eine moderne Breitbandversorgung – wichtig etwa für Forschung und Unternehmen – ist in einigen Ruhrgebietsstädten unterrepräsentiert. Während z.B. Lippstadt zahlreiche Patentanmeldungen aufzuweisen hat, liegen Herdecke, Hattingen und Witten in diesem Segment weit hinten.

Allerdings liegen auch einige Kommunen im östlichen bzw. nordöstlichen Westfalen beim Niveau-Ranking auf den hinteren Rängen. In diesen zumeist kleineren Kommunen ist vor allem dem starken Bevölkerungsrückgang Rechnung zu tragen. Ferner müssen Extertal und Barntrup (beide Kr. Lippe) schwache wirtschaftliche Platzierungen verzeichnen.

Allen Kommunen gemein sind aktuelle Herausforderungen wie Digitalisierung, Fachkräftemangel, Wohnraum- und demographische Entwicklung. Aber auch Naherholung, Nachhaltigkeit, Kulturangebote und sozialer Zusammenhalt sind Standortfaktoren, die es zu erhalten und zu entwickeln gilt. Hier muss jede Kommune ihre "Hausaufgaben" machen, sich aber auch regional und überregional vernetzen, um verstärkt Synergien zu entwickeln.

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Weiterführende Literatur/Quellen

  • IW Consult - Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH (Hg.) (2025): Kommunalranking NRW 2025. Köln 
    (https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2025/Gutachten-NRW-Kommunalranking-2025-IW-Consult.pdf; abgerufen am 17.12.2025)

  • https://www.westfalen-regional.de/de/dynamik_ranking

Erstveröffentlichung 2026

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