Hermannsstatue und Externsteine – herausragende Denkmäler vis-a-vis in Ostwestfalen-Lippe
Keine 10 km voneinander entfernt befinden sich in der Region Ostwestfalen-Lippe gleich zwei der bedeutendsten und eindrucksvollsten Denkmäler Deutschlands. Während das Hermannsdenkmal im Jahr 2025 sein 150-Jähriges Bestehen feierte, liegen die geologischen Ursprünge der Externsteine bereits mehr als 100 Mio. Jahre zurück.
Der Hermann – vom National- zum Friedenssymbol
Seit dem Jahr 1875 thront die Hermannsstatue auf dem knapp 400 Meter hohen Berg Grotenburg im lippischen Detmold – mit Blick und Schwert nach Westen gerichtet (Abb. 1). Dort befand sich zum einen der damalige "Erzfeind" Frankreich. Außerdem kam aus dieser Richtung bereits im Jahr 9 nach Christus der römische Feldherr Varus mit seinen Legionen über den Rhein, um "Germanien" zu erobern – doch dieses Vorhaben misslang: Die eigentlich überlegenen römischen Truppen wurden von germanischen Stämmen unter ihrem Anführer Arminius – quasi mit vereinten Kräften – vernichtend geschlagen. Die legendäre "Varusschlacht" im Teutoburger Wald (s. Beitrag Brepohl) war Grundlage für die Errichtung des Hermannsdenkmals, mit dessen Bau bereits im Jahr 1838 unter Leitung des Architekten Ernst von Bandel begonnen wurde.
Ursprünglich war die Statue des Hermann (der Name Arminius wurde schon im 16. Jh. "eingedeutscht") als wichtige Symbolfigur gedacht für die im 19. Jh. aufkommenden Bestrebungen nach einer nationalstaatlichen Einheit und Identität im damals zersplitterten Deutschland. Im Laufe der Jahrzehnte veränderte sich jedoch die symbolische Auslegung: Seit der Reichsgründung (1871) wurde das Denkmal zusehends im nationalistischen Sinne umgedeutet. So diente es der Glorifizierung des deutschen Kaiserreichs, war Symbol des Sieges gegen Frankreich und später Schauplatz für ideologische NS-Propaganda während der Weimarer Republik. Heute steht das Hermannsdenkmal als ein "Mahnmal für den Frieden, für Völkerverständigung und Internationalität" (Landesverband Lippe 2023, S. 4). Es zählt zu den bekanntesten Denkmälern in Deutschland und ist – gemeinsam mit den Externsteinen – Wahrzeichen der Region Ostwestfalen-Lippe. Nicht zuletzt aufgrund seiner Größe und des Standortes ist der Hermann weithin sichtbar und spielt somit auch in dieser Hinsicht ein "herausragende" Rolle. Die Statue selbst ist knapp 27 m hoch – und damit die höchste in Deutschland. Die Gesamthöhe des Denkmals, das vom Landesverband Lippe unterhalten wird, beträgt rd. 54 m (Abb. 2). Von der Aussichtsplattform in rd. 25 m Höhe haben die Besucherinnen und Besucher einen imposanten Panoramablick über weite Teile des Teutoburger Waldes.
Exkurs: Seit dem Jahr 1897 gibt es in den USA in der Stadt New Ulm (Minnesota) mit dem "Hermann Heights Monument" ebenfalls eine Hermannsstatue. Sie ist mit rd. 10 m Höhe allerdings deutlich kleiner als das Original und weicht auch optisch etwas hiervon ab. Die Errichtung der auch "Hermann the German" genannten Statue ging zurück auf eine Initiative von deutschen Einwanderern und steht symbolisch für die Integration und Freundschaft zwischen Deutschen und Amerikanern (Landesverband Lippe o.J. a).
Die Externsteine – Naturdenkmal und Kultstätte
Unweit des Hermannsdenkmals befindet sich in südöstlicher Richtung auf dem Stadtgebiet von Horn-Bad Meinberg mit der Sandsteinformation der Externsteine eine weitere national bedeutende wie einmalige Sehenswürdigkeit. Eigentümer ist auch hier der Landesverband Lippe. Das aus insgesamt 13 grauen, zerklüfteten Felsen bestehende linienförmige Ensemble ragt dabei bis über 40 m aus der ansonsten weitgehend aus Wald und Wasser bestehenden Umgebung senkrecht in die Höhe – ein Anblick, der die Menschen von jeher fasziniert hat (Abb. 3).
Den Ursprung der Externsteine vermutet die Wissenschaft in der frühen Unterkreide vor ca. 110 Mio. Jahren, als das Gebiet des Teutoburger Waldes noch von einem Flachwassermeer überflutet war, in dem sich über die Zeit Sedimente ablagerten und zu Sandstein verfestigten (Pott 2019). Im Zuge der alpidischen Orogenese ließen vor rd. 70 Mio. Jahren Überlagerungen, Verschiebungen und Faltungen dieser Sedimentschichten den Teutoburger Wald entstehen. Hierbei wurden die Schichten der heutigen Externsteine senkrecht aufgestellt (ebd.) und sind seither Regen, Wind und Frost ausgesetzt. Durch Verwitterungsprozesse erhielten die Felsen über die Jahrmillionen ihr heutiges bizarr anmutendes Aussehen.
Bereits vor 100 Jahren (1926) wurden die Externsteine unter Schutz gestellt. Heute sind sie von dem gleichnamigen, 127 ha großen Naturschutzgebiet umgeben, das auch hinsichtlich seiner kulturlandschaftlichen Elemente (u.a. Bergheiden, Hudewälder) von großer Bedeutung ist (Landesverband Lippe o.J. b).
Die ältesten Beweise für menschliche Aktivitäten an der Felsgruppe sind etwa 10.000 Jahre alt. Funde von Spitzen und Klingen aus Feuerstein deuten darauf hin, dass Jäger damals hier Schutz gesucht haben könnten. Die anthropogenen Zeugnisse, welche die Externsteine zu einem auch in kulturgeschichtlicher Hinsicht herausragenden Ort werden ließen, stammen vermutlich aus dem Mittelalter. Hierbei ist vor allem das monumentale Kreuzabnahmerelief zu nennen, das Steinmetze wahrscheinlich im 12. Jh. in den Felsen meißelten (Abb. 4). Es zeigt die Abnahme des Leichnams Jesu Christi vom Kreuz und "[…] ist in seiner Art einmalig und ein Kunstwerk von europäischem Rang" (ebd. o.J. c). Daneben geben u.a. künstlich geschaffene Grotten, ein Felsengrab sowie eine Höhenkammer der Wissenschaft hinsichtlich Alter und Funktion bis heute Rätsel auf. Eine verbreitete These lautet, dass es sich bei diesen Anlagen "[…] um die im Hochmittelalter nachgebildeten heiligen Stätten Jerusalems […] handelt" (ebd. o.J. d). Durch das Fehlen eindeutiger Beweise waren und sind die Externsteine für viele aber weiterhin ein sagenumwobener und mystischer Ort, der bisweilen sogar mit dem englischen Stonehenge verglichen wird (Deutschlandfunk Kultur 2015).
Touristische Bedeutung und Angebote
Die hohe Popularität der beiden Denkmäler spiegelt sich auch in den beständig hohen Besucherzahlen wider: Der Landesverband Lippe (2025) verzeichnete für das Jahr 2024 für die Externsteine rd. 600.000 Gäste, am Hermannsdenkmal wurden etwa 500.000 Besucherinnen und Besucher registriert. Aufgrund ihrer räumlichen Nähe werden beide Destinationen häufig gezielt gemeinsam beworben (vgl. u.a. OWL GmbH o.J. u. Tourismus NRW e.V. o.J.) – vor allem im Zusammenhang mit dem Themenfeld "Wandern", da beide Denkmäler direkt am (ebenfalls prominenten) Hermannsweg liegen (s. Beitrag Gerbaulet).
Sowohl am Hermannsdenkmal als auch an den Externsteinen gibt es heute eine Vielzahl an ergänzenden Angeboten, die von Einrichtungen der Tourismusinformation und Gastronomie über die Auswahl an diversen Führungen bis hin zu kulturellen Veranstaltungen (u.a. Lesungen, Open-Air-Kino, Konzerte) reichen. Am Hermannsdenkmal existiert zudem ein Kletterpark.
Weiterführende Literatur/Quellen
- Deutschlandfunk Kultur (2015): Externsteine. Das deutsche Stonehenge. Burkard Steinrücken im Gespräch mit Frank Meyer und Katja Schlesinger, 22.12.2015.
(https://www.deutschlandfunkkultur.de/externsteine-das-deutsche-stonehenge-100.html; abgerufen am 20.02.2026) - Landesverband Lippe (o.J. a): Das Hermann Heights Monument.
(https://www.hermannsdenkmal.de/wissenswertes/little-brother; abgerufen am 16.02.2026) - Landesverband Lippe (o.J. b): Naturschutzgebiet.
(https://www.externsteine-info.de/externsteine-erleben/naturschutzgebiet; abgerufen am 19.02.2026) - Landesverband Lippe (o.J. c): Kreuzabnahmerelief.
(https://www.externsteine-info.de/externsteine-erleben/externsteine/kreuzabnahmerelief; abgerufen am 20.02.2026) - Landesverband Lippe (o.J. d): Wissenswertes.
(https://www.externsteine-info.de/wissenswertes; abgerufen am 20.02.2026) - Landesverband Lippe (2023): Hermannsdenkmal. Lippe von ganz oben. (Info-Flyer)
(https://www.hermannsdenkmal.de/wp-content/uploads/sites/4/2023/04/Flyer-HD-deutsch-2023.pdf; abgerufen am 12.02.2026) - Landesverband Lippe (2025): Ungebrochene Faszination von Hermannsdenkmal und den Externsteinen für unsere Gäste. (Mitteilung vom 26.02.2025)
(https://www.landesverband-lippe.de/ungebrochene-faszination-von-hermannsdenkmal-und-den-externsteinen-fuer-unsere-gaeste; abgerufen am 23.02.2026) - OstWestfalenLippe GmbH (o.J.): Besuch beim Hermannsdenkmal und den Externsteinen.
(https://www.teutoburgerwald.de/natur/wanderregion/blog-wanderregion/zwei-fliegen-mit-einer-klappe; abgerufen am 23.02.2026) - Pott, R. (2019): Der Teutoburger Wald.
(https://www.westfalen-regional.de/de/teutoburger_wald; abgerufen am 18.02.2026) - Tourismus NRW e.V. (o.J.): Kurzurlaub im Teutoburger Wald.
(https://www.nrw-tourismus.de/kurzurlaub-externsteine-hermannsdenkmal-teutoburger-wald; abgerufen am 23.02.2026) - WDR (2025): Ein Denkmal, viele Rollen: 150 Jahre Hermannsdenkmal in Lippe.
(https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/hermannsdenkmal-150-geburtstag-feier-wahrzeichen-geschichte-lippe-100.html) - https://de.wikipedia.org/wiki/Externsteine
- https://de.wikipedia.org/wiki/Hermannsdenkmal
- https://www.westfalen-regional.de/de/hermannsweg
- https://www.westfalen-regional.de/de/varusschlacht
Videolink (Youtube)
- "Lass mal zum: Hermannsdenkmal" (Deutsches Historisches Museum)
Erstveröffentlichung 2026