Geburtenstatistik Westfalens im Jahr 2025 – Anzahl der Neugeborenen geht weiter zurück

14.07.2026 Peter Wittkampf

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"Zahl der Geburten so niedrig wie seit 1946 nicht mehr". So lautete die Überschrift einer ZDF-Nachricht vom 28.04.2026 (zdfheute.de). Ähnlich war auch der Tenor anderer entsprechender Meldungen jenes Tages, so die vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2026a): "Zahl der Geburten sinkt im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit".

In der Tat machen die Rückgänge der Geburtenzahlen nicht nur deutschlandweit Schlagzeilen, sie sind auch in Westfalen sehr auffällig. Da die erheblichen Rückgänge 2022 beginnen, wird das Jahr 2021 in diesem Beitrag als Vergleichsjahr gewählt. Im Jahr 2021 betrug westfalenweit die Anzahl der Neugeboren insgesamt 80.906. 2025 waren es nur noch 68.626 – ein Rückgang um 15,2% (IT.NRW 2026a).

Auf der Kreisebene Westfalens differieren die Geburtenzahlen 2021 und 2025 in unterschiedlicher Deutlichkeit. Rückgänge gab es allerdings überall. Am gravierendsten waren sie – mit jeweils um die 20% – in den Kreisen Herford, Siegen-Wittgenstein und im Märkischen Kreis. Relativ geringe Rückgänge wiesen dagegen Gelsenkirchen (5,2%) und Herne (9,9%) auf (Abb. 1).

Abb. 1: Lebendgeborene je 1.000 Einwohner 2025 und Geburtenrückgänge 2025 im Vergleich zu 2021 in den Kreisen/kreisfreien Städten Westfalens (Quelle: IT.NRW, eigene Berechnungen)

Mögliche Gründe

Welche Ursachen werden für den allgemeinen Geburtenrückgang genannt, und welche gibt es für die regionalen Unterschiede bzgl. seiner Intensität? In diesem Zusammenhang werden vom Statistischen Bundesamt (O. Pötzsch 2025) und dem Bundes­institut für Bevölkerungsforschung (2026b) (M. Bujard) folgende Gründe angeführt:

  1. Die kleiner werdende Anzahl der potenziellen Mütter (v.a. infolge der geburtenschwachen Jahrgänge ab den späten 1990er Jahren),
  2. das Zurückstellen des Kinderwunsches durch Krisen in den Bereichen Sicherheit (z.B. Kriege und ihre Folgen), Politik und Wirtschaft (weniger Stellenangebote als Folge der Unsicherheit vieler Unternehmen in Bezug auf Energiekos­ten, Standortfaktoren etc.) sowie Soziales (Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Situation in Kitas und Schulen),
  3. die grundsätzliche Einstellung gegenüber evtl. eigenen Kindern.

Diese möglichen Ursachen gelten sowohl hinsichtlich einer großräumigen Betrachtung als auch einer regionalen – und damit auch für die der Kreise und kreisfreien Städte Westfalens. Hier kommen allerdings noch weitere Aspekte zum Tragen. So wird beispielsweise die Anzahl der potenziellen Mütter nicht nur durch den allgemeinen Geburtenrückgang kleiner, sondern es wandern auch aus bestimmten Teilregionen (v.a. Südwestfalens) mehr junge Menschen ab, um sich zur Ausbildung oder wegen besserer beruflicher Möglichkeiten anderswo niederzulassen.

Auch werden auf kleinräumiger Ebene Unterschiede bzgl. des generativen Verhaltens besser sichtbar. So haben etwa die Herkunft der Eltern oder eher traditionelle Wertvorstellungen Einfluss auf die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau. Diese betrug laut IT.NRW (2026b) 2024 z.B. in Gelsenkirchen, wo der Anteil der Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit besonders hoch ist, 1,7. Die hier lebenden Ausländerinnen bekamen durchschnittlich 2,7, die deutschen Frauen lediglich 1,2 Kinder. Auf Gelsenkirchen folgen die Kreise Höxter und Steinfurt (jeweils 1,6 Kinder pro Frau). Bei diesen eher ländlich geprägten Teilräumen fällt hingegen die höhere Kinderzahl der Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit auf (jeweils 1,5) (ebd.).

Die Abwanderung vor allem jüngerer Menschen stellt so manche Teilregion – insbesondere aus dem südlichen Westfalen – vor große Herausforderungen. Im Märkischen Kreis etwa sank – trotz zahlenmäßig relativ hoher Zuwanderungen aus dem Ausland bzw. von Flüchtlingen – die Einwohnerzahl von rd. 416.000 Ende 2015 auf etwa 405.000 Ende 2025 (IT.NRW 2026c).

Tab. 1: Anteil der Lebendgeborenen 2025 (in %) nach Nationalität der Eltern (Quelle: IT.NRW, eigene Berechnungen)

Bedeutung der Ausländeranteile

Das Zusammenwirken der genannten Punkte schlägt sich in den unterschiedlichen Prozentzahlen des Geburtenrückgangs von 2021 bis 2025 nieder (Abb. 1). Die Extremwerte wurden eingangs bereits erwähnt.

Neben der Betrachtung über einen Mehrjahreszeitraum lohnt sich auch ein genauerer Blick auf das Jahr 2025, für das momentan die aktuellsten Zahlen der Geburtsstatistik vorliegen. Abbildung 1 zeigt u.a. die "rohen Geburtenziffern", also die Anzahl der Lebendgeborenen je 1.000 Einwohner. Die höchsten Werte hierbei weisen – mit je 10,3 – Gelsenkirchen und der Kreis Unna auf, aber auch in Hagen war die Geburtenziffer mit 9,1 im Jahr 2025 relaliv hoch. Für den Märkischen Kreis dagegen, der bereits im Zusammenhang mit dem Problem der Abwanderung genannt wurde, ergab sich ein Wert von 7,5, für den Kreis Herford sogar von nur 7,3.

Die großen teilräumlichen Unterschiede in Bezug auf die Nationalität der Eltern der 2025 neu geborenen Kinder zeigt in Beispielen Tabelle 1: Während etwa im Kreis Coesfeld bei 81,4% der Neugeborenen beide Elternteile Deutsche waren, traf dies in Gelsenkirchen lediglich bei 42,3%, in Hagen bei 46,5% zu. Betrachtet man speziell jene Elternverbindungen, bei denen entweder a) beide Elternteile oder b) ein Elternteil nichtdeutscher Nationalität waren, so fällt auf, dass die – mit Abstand – meisten Neugeborenen in diesen Fällen i.d.R. jeweils Verbindungen zwischen zwei nichtdeutschen Eltern entstammten. In Gelsenkirchen z.B. waren dies etwa doppelt so viele wie jene mit einem deutschen und einem ausländischen Elternteil. In Münster allerdings war die Geburtenzahl dieser beiden Konstellationen fast ausgeglichen (383 zu 333 Geburten bzw. 14,9% zu 13,0%), was durchaus als Indiz für eine "gelebte Integration" verstanden werden kann.

Abb. 2 (li.): Durchschnittsalter von Müttern bei der Geburt des ersten Kindes 2025 und Abb. 3: Anteile der Lebendgeborenen von unverheirateten Eltern 2025 (Quelle: IT.NRW, eigene Berechnungen)

Alter der Mütter und Familienstand

Regionale Unterschiede innerhalb Westfalens gibt es auch in Bezug auf das Alter der Mutter bei der Geburt ihres ersten Kindes. Dieses ist – u.a. aufgrund von Ausbildung, Studium und beruflicher Entwicklung – inzwischen deutlich höher als früher. So verwundert es kaum, dass beispielsweise in Münster 2025 die Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes im Durchschnitt schon 32 Jahre alt waren (Abb. 2). In Gelsenkirchen betrug das Durchschnitts­alter dagegen 28,2 Jahre. Zum Vergleich: Bundesweit liegt das Durchschnittsalter der Frauen bei 30 Jahren – was in etwa dem EU-Mittelwert entspricht. Bulgarien ist EU-weit das Land mit den jüngsten Müttern (knapp 27 Jahre bei der Erstgeburt) (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2026b).

Im Zusammenhang mit den bereits angesprochenen "Traditionen" kann der Blick noch auf den Familienstand der Eltern gerichtet werden. Im Kreis Olpe z.B. waren diese 2025 nur bei 23,1% der Neugeborenen unverheiratet, im Kreis Borken waren es 24,3%. Bei über 31% lagen die Quoten dagegen in Gelsenkirchen, Müns­ter, Dortmund, Bochum und im Kreis Recklinghausen (Abb. 3).

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Weiterführende Literatur/Quellen

  • Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hg.) (2026a): Zahl der Geburten sinkt im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit. (Mitteilung vom 28.04.2026)
    (https://www.demografie-portal.de/DE/Bund-Laender/Meldungen/2026/260428-bund-geburtenzahl-2025.html; abgerufen am 22.06.2026)

  • Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hg.) (2026b): Weiter niedrige Geburtenzahlen – warum? ("Berliner Demographiegespräch" am 29.04.2026 mit O. Pötzsch und M. Bujard)
    (https://www.bib.bund.de/DE/Aktuelles/2026/2026-05-18-Bericht-Berliner-Demografiegespraech-Weiter-niedrige-Geburtenzahlen-warum.html; abgerufen am 26.06.2026)

  • Deutschlandfunk, 13.06.2026: Immer weniger Kinder – was gute Familienpolitik leisten kann.
    (https://www.deutschlandfunk.de/geburtenrate-deutschland-geburtenzahlen-kinderwunsch-100.html; abgerufen am 29.06.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026a): Lebendgeborene insgesamt – Gemeinden – Jahr.
    (https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=12612-01i&bypass=true&levelindex=1&levelid=1782114177538; abgerufen am 22.06.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026b): Zusammengefasste Geburtenziffer nach Nationalität – kreisfreie Städte und Kreise – Jahr.
    (https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=12612-18i&bypass=true&levelindex=0&levelid=1782127524417; abgerufen am 22.06.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2026c): Bevölkerungsstand nach Geschlecht und Familienstand – kreisfreie Städte und Kreise – Stichtag.
    (https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=12411-17i&bypass=true&levelindex=1&levelid=1782130024044; abgerufen am 22.06.2026)

  • Pötzsch, O. (2025): Der dritte Geburtenrückgang im vereinigten Deutschland – Analysen und Hintergründe. In: Statistisches Bundesamt (Hg.): Wirtschaft und Statistik 4/2025.
    (https://www.destatis.de/DE/Methoden/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2025/04/dritter-geburtenrueckgang-deutschland-042025.pdf?__blob=publicationFile&v=5; abgerufen am 22.06.2026)

  • Tagesschau, 23.05.2026: Geburtenrückgang in Deutschland – Kinderlos glücklich.
    (https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/sinkende-geburten-100.html; abgerufen am 20.06.2026)

  • zdf heute, 28.04.2026: Zahl der Geburten so niedrig wie seit 1946 nicht mehr.
    (https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/geburten-zahl-rueckgang-100.html; abgerufen am 22.06.2026)

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Erstveröffentlichung 2026

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