Die Entwicklung der Bodenflächennutzung in Westfalen

12.05.2022 Peter Wittkampf

Inhalt

Wie wird die Bodenfläche Westfalens genutzt? Welche Gesamttendenzen, welche teilräumlichen Besonderheiten gibt es in dieser Hinsicht? Diesen Fragen widmet sich der folgende Beitrag.

Westfalen ist nach wie vor eine "grüne" Region. Landwirtschaftliche Nutzflächen und Wald machten am Jahresende 2020, der zur Zeit aktuellsten Flächenerhebung durch das Statis­tische Landesamt IT.NRW, zusammen etwas mehr als drei Viertel der Gesamtfläche Westfalens aus. Gegenüber 2010 ist hier jedoch ein Rückgang festzustellen, während in dem gleichen Zeitraum z.B. die Flächenanteile für Industrie und Gewerbe sowie zum Wohnen zunahmen.

Die prozentualen Anteile der wichtigsten Bodenflächennutzungen sind in Tabelle 1 dargestellt.

Tab. 1: Bodenflächennutzung in Westfalen, jeweils am 31.12. (Quelle: www.it.nrw.de)

Wohnbauflächen

In den Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens haben die verschiedenen Flächennutzungsarten sehr unterschiedliche Anteile an den jeweiligen Gesamtflächen. Dies gilt auch für die Wohnareale. Natürlich ist der Anteil der Wohnbaufläche an der jeweiligen Gesamtfläche z.B. in den Ruhrgebietsstädten deutlich höher als etwa in den Kreisen des Münsterlandes oder des Sauerlandes (Abb. 1). Die Flächen für Wohngebäude 2020 nehmen etwa in Herne 26,8% der Gesamtfläche der Stadt ein, in Bochum sind es 23,7%. Die niedrigsten Prozentsätze hingegen gibt es im Kreis Höxter (2,7%) und im Hochsauerlandkreis (2,8%).

In sämtlichen Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens haben die Wohnbauflächen aber zwischen 2010 und 2020 zugenommen (Abb. 1). Am deutlichsten fiel der Zuwachs im Kreis Höxter aus (+16,6%). Aber auch in Ostwestfalen-Lippe, in Südwestfalen und im Kreis Borken gab es erhebliche Zuwächse. Baulandpreise und wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung sind hierbei wohl die entscheidenden Faktoren. Im Kreis Höxter beispielsweise erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (in € je Erwerbstätigen) zwischen 2010 und 2017 um 20,2% – allerdings von einem relativ niedrigen Ausgangsniveau aus. Zum Vergleich: Im Kreis Recklinghausen waren es im gleichen Zeitraum +9,3%, im Kreis Gütersloh +10,3% und im Kreis Soest +13,2%. Wegen der gestiegenen Baulandpreise nicht nur in den Ober-, sondern auch in den Mittelzentren gab es in deren Umfeld besonders kräftige Zuwachsraten bei den Wohnbauflächen.

Derzeit sind Grundstücke für weitere Ein- oder Zweifamilienhäuser vielerorts kaum noch zu bekommen.

Abb. 1: Anteil der Wohnbaufläche in den Kreisen / kreisfreien Städten Westfalens im Jahr 2020 sowie deren Entwicklung zwischen 2010 und 2020 (Quelle: IT.NRW, eigene Berechnungen)

Industrie- und Gewerbeflächen

Die Gesamtfläche für Industrie und Gewerbe erhöhte sich in Westfalen zwischen 2010 und 2020 um 16,5%, im Rheinland betrug die entsprechende Steigerung 12,6%.

Innerhalb Westfalens waren auch bei der Industrieflächenentwicklung die Unterschiede zwischen den Teilregionen sehr groß (Abb. 2). Während z.B. in Herne (-6,6%) und Bochum (-0,6%) sogar Rückgänge zu verzeichnen waren, erhöhte sich der Flächenanteil in den Münsterlandkreisen Steinfurt (+42,5%) und Coesfeld (+38,2%) zwischen 2010 und 2020 geradezu rasant. Auch im Hochsauerlandkreis sowie in den Kreisen Paderborn und Olpe lag die Steigerungsrate noch bei jeweils über 30%.

Insbesondere das westliche Müns­terland gehört zu den Regionen, die wirtschaftlich und speziell industriell in dem Vergleichszeitraum ein starkes Wachstum erlebten. "Das Münsterland entwickelt sich zu einer landesweit führenden Indus­trieregion. Die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen spricht von einem Jobwunder" – so formulierte es Radio WAF am 16.01.2014. "Nirgendwo in NRW arbeiten mehr Menschen in mittelständischen Betrieben (…)" (www.muensterland.com/.../).

Und Südwestfalen stand – laut einem Ranking von 2011 – in Bezug auf den Beschäftigtenanteil im produzierenden Gewerbe unter den Industrieregionen Deutschlands an dritter Stelle (www.suedwestfalen.com/.../) (s. Beitrag Krajewski).

Viele expandierende, aber auch neue Industriebetriebe brauchen zusätzliche Flächen bzw. ein größeres Gelände. Das ließ die Industrie- und Gewerbeflächen in den Teilregionen besonders stark anwachsen.

Abb. 2: Entwicklung von Industrie- / Gewerbeflächen sowie von Acker- / Grünland in den Kreisen / kreisfreien Städten Westfalens zwischen 2010 und 2020 (Quelle: IT.NRW, eigene Berechnungen)

Acker- und Grünland

Grünland hat eine besonders große ökologische Bedeutung, wobei dies für Wiesen noch mehr gilt als für Weiden. Laut Umweltbundesamt kommen dort mehr als die Hälfte aller in Deutschland lebenden Pflanzen- und Tierarten vor. Die ganzjährige Vegetation schützt außerdem vor Bodenaustrocknung und Erosion. Die Wasserspeicherfunktion ist besonders günstig, der Humusgehalt hoch.

Daher wäre es fatal, wenn Grünland einfach zu Ackerland umgebrochen würde. Solche Prozesse waren aber z.B. im Münsterland zu beobachten, wo zwischen 2010 und 2020 etwa im Kreis Borken die Grünland-Gesamtfläche um 50,6% abnahm, während die Gesamtfläche des Ackerlandes – z.B. für den Maisanbau – um 26,1% anwuchs (Abb. 2). In den Kreisen Warendorf (-34,7%) und Steinfurt (-30,9%) reduzierte sich das Grünland ebenfalls deutlich, obwohl schon 2011 in Nordrhein-Westfalen Bestimmungen zur Einschränkung des Grünlandumbruchs erlassen wurden. Durch EU-Regelungen von 2013 und 2016 gibt es "Greening"-Auflagen zum Erhalt von Dauergrünland.

Grünlandverluste wie die im Müns­terland prägten jedoch andere Gebiete Westfalens keineswegs, in etlichen Teilregionen nahmen die Grünlandflächen sogar zu. Weil sich Ackerbau bei schwierigen Gelände- und Bodenverhältnissen nicht lohnte, blieben Felder brach liegen. Nach fünfjähriger Brache wurden sie aber – laut EU-Bestimmung – dann automatisch dem Grünland zugerechnet. So nahm z.B. im Kreis Siegen-Wittgenstein das Grünland von 2010 bis 2020 um 73,7% zu, das Ackerland hingegen um 87,7% ab (Abb. 2).

In manchen Kreisen, z.B. in Ostwestfalen, wurden z.T. feuchte Täler ("Sieke") unter Schutz gestellt, sodass sie nun als Dauergrünland eine ökologische Funktionen erfüllen.

Vor allem in Südwestfalen fordern viele Bauern inzwischen Änderungen beim Verbot des Grünlandumbruchs. Da das Gras bei den trockenen Sommern der letzten Jahre zu spärlich wuchs, um ausreichend Tierfutter zu liefern, würde man gerne Flächen für den Anbau von Kleegras, Leguminosen (Hülsenfrüchtler) usw. nutzen.

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Weiterführende Literatur/Quellen

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Erstveröffentlichung 2022