Dynamik-Ranking der Städte und Gemeinden in Westfalen 2025
Im Auftrag der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH Mitte 2025 das "Kommunalranking NRW" veröffentlicht. Aus dieser Studie wurden für den folgenden Beitrag die 231 Städte und Gemeinden Westfalens isoliert und in ein eigenes Ranking umgerechnet, das die Entwicklung der Kommunen in den vergangenen fünf Jahren widerspiegelt. Bei diesem "Dynamik-Ranking" stieg beispielhaft die Stadt Recklinghausen von Platz 19 im NRW-weiten Vergleich auf Platz 11 innerhalb Westfalens. Schöppingen und Heiden (beide Kr. Borken) nahmen andererseits schon NRW-weit die vorderen beiden Plätze ein – und stehen damit natürlich auch in Westfalen auf Platz 1 und 2 (Tab. 1).
Die Methodik
Beim Dynamik-Ranking wird die kommunale Entwicklung anhand von zwölf Indikatoren bestimmt, ausgehend vom Jahr 2020, in dem die bis dahin letzte Kommunalwahl stattfand. Die Indikatoren lassen sich den vier Themenbereichen Wirtschaft, Arbeit, Wohnen und Lebensqualität zuordnen. Jeder Indikator erhält die gleiche Gewichtung, die Ausprägung wird standardisiert und in eine Werteskala von 0 bis 100 transformiert. Alle Werte werden dann wiederum in einer Skala von 0 bis 100 zusammengefasst. Da die Punktewerte aber z.T. nur sehr kleine Abstände aufweisen und damit eine eher geringe Aussagekraft haben, geht es letztlich weniger um die konkrete Platzierung als vielmehr um die generalisierende Einordnung, ob sich eine Kommune mit starker oder geringer Dynamik entwickelt hat.
Indikatoren, die zum Bereich Wirtschaft zählen, sind Gewerbesteuerhebesätze und gemeindliche Steuerkraft. Unter den Bereich Arbeiten fallen der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter an allen Erwerbsfähigen, die Beschäftigungsrate von Frauen und die der über 55-Jährigen. Zum Wohnen zählen Baugenehmigungen, der Wohnungsneubau und die Wohnfläche je Einwohner. Die Lebensqualität umfasst die Kaufkraft, Wanderungen, den Altersquotienten aus 20–60-Jährigen zu über 60-Jährigen und den Anteil naturnaher Flächen.
Die Ergebnisse
Abbildung 1 zeigt die 231 Kommunen in Westfalen. Eine Konzentration von Kommunen, die sich in den letzten fünf Jahren überdurchschnittlich stark entwickelt haben, ist im Westmünsterland zu erkennen.
Hinsichtlich einzelner Indikatoren verzeichnet z.B. die Gemeinde Schöppingen (auch NRW-weit) die beste Entwicklung bzgl. der Frauen-Beschäftigungsrate und Kaufkraft (IW Consult 2025, S. 16). Heiden punktet im Bereich Wohnen mit starken Werten bei Baugenehmigungen und Neubauten (ebd., S. 16f.) – u.a. durch das Projekt "Blumensiedlung", bei dem das lokale Engagement von Interessenten bei der Vergabe von Grundstücken besonders berücksichtigt wird.
Auch in der Mitte Westfalens tauchen vereinzelt Kommunen auf, die sich sehr dynamisch entwickelt haben. Dazu zählen Wadersloh (Platz 25), Beckum (39) und Sendenhorst (41). Die Gemeinde Wadersloh zeigt etwa bedeutende Fortschritte in den Bereichen Wohnen und Lebensqualität. Beckum punktet in den Teilbereichen Arbeiten und Wohnen. In Sendenhorst haben sich alle drei Bereiche mit Ausnahme der Lebensqualität stark entwickelt (ebd., S. 33).
Im Gegensatz zum "Niveau-Ranking" (s. Beitrag Grothues) zeichnen sich einige Ruhrgebietsstädte durch eine vergleichsweise gute Entwicklung seit dem Jahr 2020 aus: Neben Recklinghausen (Platz 11) gehören Olfen (12), Bochum (18), Holzwickede (27) und Hamm (36) zur erweiterten kommunalen Spitzengruppe. Vor allem Recklinghausen sticht dabei mit guten Ergebnissen in den Bereichen Lebensqualität und Arbeit heraus.
Im südlichen Westfalen gibt es ebenfalls eine Reihe von Kommunen, die in den letzten fünf Jahren eine überdurchschnittlich positive Entwicklung durchgemacht haben, dazu zählen neben Ense (Platz 5), Kirchhundem (15), Balve (16) und Bad Sassendorf (20).
Zu den Schlusslichtern gehören – bis auf wenige Ausnahmen – Kommunen aus dem östlichen Westfalen, darunter zahlreiche aus dem Kreis Lippe (Tab. 2). Bad Lippspringe (Kr. Paderborn) beispielsweise erreicht westfalenweit lediglich den drittletzten Platz (229), die benachbarten Kommunen Schlangen und Augustdorf (beide Kr. Lippe) die Ränge 228 bzw. 224 (Tab. 2). Bad Lippspringe fällt besonders auf durch negative Ergebnisse bei den Indikatoren Baugenehmigungen, Wohnfläche je Einwohner, Altersquotient und Kaufkraft. Die Stadt Verl (Kr. Gütersloh) – beim Niveau-Ranking westfalenweit sogar auf dem zweiten Rang – gehört beim Dynamik-Ranking jedoch zu den "schwächsten" Kommunen des Landesteils (Platz 201). Insbesondere hohe Gewerbesteuerhebesätze und die geringe kommunale Finanzausstattung tragen zu diesem negativen Ergebnis bei.
Eine weitere Häufung unterdurchschnittlich dynamisch entwickelter Kommunen ist u.a. mit Meinerzhagen, Kierspe und Halver im Märkischen Kreis auszumachen. Weitere Kommunen, die im Regierungsbezirk Arnsberg liegen und sich in den vergangenen fünf Jahren vergleichsweise schwach entwickelt haben, sind Bestwig (vor allem aufgrund einer geringen Beschäftigungsquote und Kaufkraft), Erndtebrück (u.a. wegen hoher Gewerbesteuerhebesätze) und Burbach (geringe eigene Steuerkraft).
Übergreifend lässt sich feststellen, dass es Kommunen gibt, die zwar beim Niveau-Ranking ein gutes Ergebnis erreichen, allerdings hinsichtlich ihrer Dynamik nachgelassen haben. Auf der anderen Seite haben gerade bisher "schwächere" Kommunen, vor allem auch im Ruhrgebiet (z.B. Bochum), in den letzten Jahren durchaus Entwicklungsfortschritte erzielen können.
Allen Kommunen gemein sind aktuelle Herausforderungen wie Digitalisierung, Fachkräftemangel, Wohnraum- und demographische Entwicklung. Aber auch Naherholung, Nachhaltigkeit, Kulturangebote und sozialer Zusammenhalt sind Standortfaktoren, die es zu erhalten und zu entwickeln gilt. Hier muss jede Kommune ihre "Hausaufgaben" machen, sich aber auch regional und überregional vernetzen, um verstärkt Synergien zu entwickeln.
Weiterführende Literatur/Quellen
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IW Consult - Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult GmbH (Hg.) (2025): Kommunalranking NRW 2025. Köln
(https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Gutachten/PDF/2025/Gutachten-NRW-Kommunalranking-2025-IW-Consult.pdf; abgerufen am 17.12.2025) -
https://www.westfalen-regional.de/de/niveau_ranking
Erstveröffentlichung 2026