Zahl der Apotheken in Westfalen auch im Jahr 2025 rückläufig
Die Zahl der Apotheken ist in Westfalen im Laufe des Jahres 2025 weiter stark gesunken: Lediglich sechs Neueröffnungen standen dabei 49 Schließungen gegenüber, wobei sich die Dynamik der Schließungen etwas verlangsamt hat. Am 31.12.2025 lag die Gesamtzahl der Apotheken laut der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) (2026) bei 1.613. Noch vor 20 Jahren gab es 2.245 Apotheken im Verbandsgebiet. Das entspricht einem Rückgang von 28%. Die stärkste Abnahme gab es 2025 in Dortmund mit fünf Schließungen, bei einer Neueröffnung. Die Kreise Borken, Recklinghausen und Siegen haben jeweils vier Apotheken verloren – ebenso wie der Kreis Soest, wobei letzterer immerhin drei Eröffnungen verzeichnete. Jeweils drei Apotheken schlossen in den Kreisen Höxter, Paderborn und Lippe.
Hauptgründe für diese Entwicklung sind mangelnde wirtschaftliche Aussichten, Konkurrenz mit Versandapotheken und die Überalterung der Betreiber. NRW-weit sind etwa 30% aller Inhaber/-innen älter als 60 Jahre (IFH Köln 2025, S. 14).
"Die Regierung muss die versprochene Stärkung der Vor-Ort-Apotheken möglichst schnell umsetzen. Anderenfalls gefährdet sie die flächendeckende Versorgung", so der damalige AKWL-Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Walter in einer Pressemitteilung vom 05. Januar 2026. Hauptforderung an die Politik ist vor allem eine Honorarsteigerung, denn die letzte ist 13 Jahre her.
Knapp ein Drittel der Apotheken wird mittlerweile als Filiale betrieben. Dieser Anteil stieg in den letzten Jahren kontinuierlich. Im Umkehrschluss heißt dies: Im Landesteil Westfalen gibt es inzwischen nur noch 1.211 Apothekeninhaber/-innen. 2018 waren es noch 1.541, vor 20 Jahren sogar noch 2.256. Dafür gibt es 444 Filialapotheken (31.12.2024) (ABDA 2025, S. 9). Aber auch deren Zahl sinkt (2018 waren es noch 471) (Grothues 2020). Wichtigstes Ansiedlungskriterium ist die Nähe zu einem verordnenden (Haus-)Arzt. Wenn es in bestimmten Stadtteilen oder kleinen Orten keine Apotheke (mehr) gibt, ist das oftmals eine Folge des Mangels an Ärzten/-innen bzw. deren Konzentration in bestimmten Stadtteilen bzw. Ärztezentren. Durchschnittlich entfallen rd. 85% des Umsatzes auf die Abgabe rezeptpflichtiger Arzneimittel und nur jeweils etwas mehr als 7% auf nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sowie das übliche Randsortiment (ABDA 2025, S. 22).
Situation auf Kreisebene
Abbildung 1 zeigt die Apothekendichte über das westfälische Verbandsgebiet Ende 2025. Im Durchschnitt kommen 5.140 Einwohnerinnen und Einwohner auf eine Apotheke (2018: 4.355). Dabei wird die Spannweite zwischen Minimum- und Maximumwerten immer größer. Während sich in Münster rd. 3.800 Einwohner/-innen eine Apotheke teilen, also lediglich 400 Personen mehr als 2018, sind es in Hagen 6.775 (2018: 4.975) und in Bottrop 6.240 (2018: noch 5.335). Insgesamt haben die höheren Werte deutlich zugenommen. Im Vergleich zu 2018 (Grothues 2020) versorgt eine Apotheke heute durchschnittlich rd. 900 Menschen mehr. Während zuvor vor allem das Ruhrgebiet durch hohe Werte auffiel, müssen heute auch die Apotheken in vielen Teilregionen Ostwestfalen-Lippes durchschnittlich jeweils 5.000 und mehr Einwohner/-innen versorgen. Eine relativ günstige Apothekendichte weisen noch einige südwestfälische Kreise auf.
Situation auf kommunaler Ebene
Betrachtet man die Apothekendichte in den Städten und Gemeinden Westfalens, so fällt eine noch deutlich größere Spannweite auf (Abb. 2).
Generell kann man im Vergleich zu 2018 feststellen, dass fast alle Kommunen durchschnittlich eine oder zwei Größenklassen schlechter einzustufen sind (vgl. Abb. 2 bei Grothues 2020). Die größte Apothekendichte hat Ende 2025 die Gemeinde Lienen (Kr. Steinfurt) – mit drei Apotheken bei gerade einmal rd. 8.500 Einwohnern. Interessanterweise hat sich hier die Anzahl der Apotheken im Gegensatz zu den meisten anderen Kommunen nicht verringert. Das schlechteste Ergebnis weist – wie schon 2018 – die Gemeinde Borchen im Kreis Paderborn auf. Dort teilen sich rd. 13.700 Einwohner eine Apotheke. Insgesamt scheint Ostwestfalen etwas schlechter abzuschneiden als andere Regionen. Das liegt auch an den kleineren Gemeinden, die hier vermehrt anzutreffen sind und in denen die Versorgungssituation tendenziell schlechter ist. In größeren Städten hingegen ist eine homogene Verteilung der Standorte auf die Stadtteile zu beobachten; viele Apotheken verfügen über einen ausreichenden Mindesteinzugsbereich und vor allem über eine entsprechende Anzahl naheliegender Arztpraxen.
In kleineren Gemeinden kann sich der Einzugsbereich in nur wenigen Jahren z.T. erheblich vergrößert haben: So hat sich z.B. seit 2018 die Zahl der Einwohner je Apotheke in Medebach um 197,5% erhöht, verdoppelt hat sie sich u.a. in Winterberg, Everswinkel und Heiden. In rd. 80% aller Fälle gibt es eine Verschlechterung der Apothekendichte, lediglich rd. 10% davon resultiert aus einer Steigerung der Einwohnerzahl. In einigen Orten ist die Apothekendichte aber auch gestiegen; in Neunkirchen, Hille und Horn-Bad Meinberg sogar um 30% – vor allem dadurch, dass eine Apotheke im Ort dazugekommen ist.
Insgesamt hat sich die Versorgung durch Apotheken in Westfalen aber weiter verschlechtert.
Weiterführende Literatur/Quellen
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ABDA Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. (Hg.) (2025): Die Apotheke. Zahlen–Daten–Fakten 2025.
(https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/ZDF/Jahrbuch-ZDF-2025/ZDF_2025_ABDA_Statistisches_Jahrbuch.pdf; abgerufen am 02.02.2026) -
AKWL Apothekerkammer Westfalen-Lippe (Hg.) (2026): Rückgang der Apothekenzahlen in Westfalen-Lippe: Minus 28 Prozent in 20 Jahren. (Pressemitteilung vom 05.01.2026)
(https://www.akwl.de/presseinfo.php?id=81&pid=815; abgerufen am 19.01.2026) -
Die Glocke vom 06.01.2026: "49 Apotheken für immer geschlossen."
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Grothues, R. (2020): Apotheken in Westfalen weiter stark rückläufig.
(https://www.westfalen-regional.de/de/apotheken) -
IFH Institut für Handelsforschung Köln (2025): Apothekenmonitoring 2025: Analyse der nordrhein-westfälischen Kammerstatistiken 2024. (https://www.akwl.de/download/akwl/2025_Apothekenmonitoring_NRW-Studie_Apotheke.pdf; abgerufen am 02.02.2026)
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https://www.akwl.de
Erstveröffentlichung 2026