Die Porta Westfalica – Landmarke mit facettenreicher Geschichte
Der Weserdurchbruch in Porta Westfalica (Kr. Minden-Lübbecke) mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal gilt inzwischen als touristische Attraktion, deren Bekanntheit weit über die Grenzen Westfalens hinausreicht. Rund 200.000 Menschen besuchen das Denkmal mit seinem 2018 neu errichteten Besucherzentrum jährlich (LWL 2020). Gleichwohl reicht die Geschichte dieses außergewöhnlichen Ortes weit in die Vergangenheit zurück und ist um einiges vielfältiger, als es der erste Eindruck vermuten lässt.
Das Wesertal wurde 2006 an dieser Stelle als Nationaler Geotop klassifiziert. Es ist – neben der Eisenerzgrube Wohlverwahrt im Ortsteil Kleinenbremen (s. Beitrag Grothues) – das zweite dieser Art im Stadtgebiet. Das Tal ist hier 200 m tief und an seiner schmalsten Stelle nur 600 m breit. Neben der Weser samt Auenfläche verlaufen eine Bahnlinie und zwei Bundesstraßen (eine davon als Tunnel). Hinzu kommen der Weser-Radweg und der Europäische Fernwanderweg E 11. Während die Stelle heutzutage eher als Verkehrsengpass gesehen wird, war sie historisch gesehen ein bedeutender Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege. Das enge Tal erleichterte darüber hinaus die Verteidigung des unmittelbar nördlich gelegenen Minden. Am rechten, östlichen Ufer befindet sich das Wesergebirge mit dem Jakobsberg, auf dem heute ein Fernsehturm steht. Auf dem zum Wiehengebirge gehörenden Wittekindsberg am linken, westlichen Ufer thront die Kaiser-Wilhelm-Statue (Abb. 1).
Zum Namen Porta Westfalica
Obwohl im Ortsteil Barkhausen Überreste eines Römerlagers entdeckt wurden und der aus dem Lateinischen stammende Name "Porta Westfalica" Assoziationen an die Römerzeit hervorruft, wurde die Stadt weder von den Römern gegründet, noch von ihnen benannt. Vielmehr wurde der Name im 18. Jh. geprägt, um den Weserdurchbruch zu beschreiben. Die Sprachen Französisch und Latein waren zu dieser Zeit unter Adeligen sehr beliebt. Mit dem Zusammenschluss der 15 Gemeinden zur heutigen Stadt Porta Westfalica kann sich diese seit 1973 stolz als die einzige Stadt Deutschlands mit lateinischem Ortsnamen bezeichnen (Stadt Porta Westfalica o. J.).
Die Entstehungsgeschichte des Weserdurchbruchs
Noch bis ins Pleistozän hinein waren Wiehen- und Wesergebirge miteinander verbunden. Die Weser umfloss das Gebirge zu dieser Zeit noch weiter östlich nahe Hameln. Während der Elster-Eiszeit (vor 400.000 – 320.000 Jahren) wurde dieser Weg jedoch durch südwärts vorrückende Gletscher versperrt, und das Wasser musste sich einen neuen Weg suchen. Die Lage des heutigen Durchbruchs ist dabei keineswegs ein Zufall. Dank einer durch Subrosion bedingten Schwächezone in Nord-Süd-Richtung fiel es der Weser hier besonders leicht, sich einen neuen Weg nach Norden zu bahnen (Geologischer Dienst NRW o. J.).
Etwas spektakulärer als die wissenschaftliche Entstehungsgeschichte ist die volkstümliche Legende zum Weserdurchbruch. Demnach entstand das Durchbruchstal zu einer Zeit, in der die Gegend schon von Menschen bewohnt wurde. Diese weigerten sich, dem Teufel zu dienen, woraufhin dieser die "Wallücke" nahe dem heutigen Bergkirchen (nordwestlich von Porta Westfalica) füllte, sodass sich das Wasser der Weser aufstaute und die Gegend überflutete. Die Menschen mussten sich, um den Fluten zu entkommen, auf die umliegenden Berggipfel retten. Als das Wasser die Menschen beinahe erreicht hatte, zog plötzlich ein Gewitter auf, und ein Blitz sprengte eine Lücke in das Gebirge, durch die das Wasser wieder abfließen konnte. Das Resultat dieser "göttlichen Intervention" ist heute als Porta bekannt (Gräße o. J.).
Der Urzeitjäger des Wiehengebirges
Der wohl bekannteste Bewohner der Region lebte allerdings schon lange vor dem Pleistozän: Bereits vor 165 Mio. Jahren, also im Mittleren Jura, durchstreifte der Wiehenvenator albati die damals von Flachmeeren geprägte Küstenlandschaft. 1998 entdeckte der Geologe Friedrich Albat im Gebiet der nahegelegenen "Lutternschen Egge" Knochen der bis dahin unbekannten Saurierart. Ihm zu Ehren wurde der Artname albati gewählt, Wiehenvenator setzt sich aus dem Wiehengebirge als Fundort und dem lateinischen Wort für Jäger (venator) zusammen. Bei dem gefundenen Exemplar, das heute im Besitz des LWL-Museums für Naturkunde Münster ist, handelt es sich um ein noch nicht ausgewachsenes Tier von etwa 9 m Länge. Der Wiehenvenator gilt damit als der größte Raubsaurier Mitteleuropas (Rauhut et al. 2016).
KZ-Außenstelle – die Porta zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
Ein dunkles Kapitel in der Vergangenheit der Porta stellen die Jahre 1944/45 dar. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden in Stollen unter dem Wittekinds- und Jakobsberg verschiedene Rüstungsgüter hergestellt. Grund für die Verlagerung der Produktion unter Tage waren die Bombardements der alliierten Streitkräfte. Für den Ausbau der Stollen und die Produktion selbst wurden im Umkreis drei Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Neuengamme eingerichtet. Neben den KZ-Insassen arbeiteten hier Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und auch Menschen aus der Zivilbevölkerung (Gedenkstätte Porta o. J.). Mehrere hundert Häftlinge, die hier zum Arbeiten gezwungen wurden, starben an den menschenunwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Stollen auf Befehl der Britischen Rheinarmee teilweise gesprengt und verschlossen (LWL o. J.). Der Stollen "Dachs I" kann seit 2015 im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Das Wahrzeichen von Porta Westfalica ist zweifelsohne das Kaiser Wilhelm I. gewidmete Denkmal auf dem Wittekindsberg (Abb. 2). Das mit insgesamt 88 m zweithöchste Denkmal Deutschlands wurde in den Jahren 1892–1896 errichtet. Als Baumaterial wurde der lokale Portasandstein gewählt. Die Pläne für das Denkmal gehen auf den Architekten Bruno Schmitz zurück, die Skulptur des Kaisers gestaltete Caspar von Zumbusch (LWL o. J.). Am Rande erwähnt sei hier, dass Bruno Schmitz ebenfalls die Kaiser-Wilhelm-Denkmäler am Deutschen Eck in Koblenz und auf dem Kyffhäuser in Thüringen sowie das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig entwarf und somit an einigen der bedeutendsten Nationaldenkmäler Deutschlands mitgewirkt hat (Kaiser-Wilhelm-Porta o. J.).
Bereits durch die Sprengung des darunterliegenden Stollens beschädigt und allgemein etwas in die Jahre gekommen, hatte im Jahr 2015 der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Eigentümer damit begonnen, das Denkmal zu renovieren. Hierbei wurde das Gelände um ein Restaurant und ein Besucherzentrum ergänzt. Nach 18-monatiger Bauzeit ist das Denkmal seit Juli 2018 wieder öffentlich zugänglich.
Der Bismarckturm auf dem Jakobsberg
Von 1902 bis 1952 hatte das Abbild des Kaisers einen prominenten Nachbarn: Gegenüber auf dem Jakobsberg wurde zu Beginn des 20. Jh.s eine Säule zu Ehren Otto von Bismarcks errichtet (Abb. 3). Das ebenfalls aus Portasandstein gebaute Denkmal war 22,5 m hoch und verfügte über eine Aussichtsplattform auf 16 m Höhe (Bismarckbund o. J.). 1952 musste der Bismarckturm einem Fernsehturm weichen, nachdem Versuche, den bestehenden Turm diesbezüglich umzubauen, gescheitert waren. Dem Bismarckbund Porta ist es zu verdanken, dass sowohl eine Aussichtsplattform als auch ein Gedenkzimmer an den Reichskanzler Teil des neuen Fernsehturms wurden.
Weiterführende Literatur/Quellen
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Bismarckbund (Hg.) (o.J.): Von der Bismarcksäule zum Fernsehturm.
(https://www.bismarckbund-porta.de/der-turm; abgerufen am 10.09.2025) -
Gedenkstätte Porta (Hg.) (o.J.): Das Lager im Kaiserhof/Barkhausen.
(https://www.gedenkstaette-porta.de/das-lager-im-kaiserhof-barkhausen; abgerufen am 10.09.2025) -
Geologischer Dienst NRW (Hg.) (o.J.): Der Weserdurchbruch Porta Westfalica.
(https://www.gd.nrw.de/ge_ev_geologie-erleben_weserdurchbruch-porta-westfalica.htm?q=weserdurchbruch; abgerufen am 10.09.2025) -
Gräße, J.G.T. (o.J.): Die Entstehung der Porta Westfalica. In: Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen. Lexikus.
(http://www.lexikus.de/bibliothek/Sagen-und-Geschichten-aus-deutschen-Gauen/Johann-Georg-Theodor-Graesse-Die-Entstehung-der-Porta-Westfalica; abgerufen am 24.06.2025) -
Kaiser-Wilhelm-Porta (Hg.) (o.J.): Bruno Schmitz – Der Architekt.
(https://kaiser-wilhelm-porta.de/geschichte/der-architekt; abgerufen am 10.09.2025) -
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) (Hg.) (o.J.): Baugeschichte.
(https://www.kaiser-wilhelm-denkmal.lwl.org/de/denkmal/baugeschichte; abgerufen am 10.09.2025) -
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) (Hg.) (2020): Bilanz: Zwei Jahre Kaiser-Wilhelm-Denkmal nach der Wiedereröffnung.
(https://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=50796; abgerufen am 16.12.2025) -
Rauhut, O., T. Hübner und K.-P. Lanser (2016): A new megalosaurid theropod dinosaur from the late Middle Jurassic (Callovian) of north-western Germany: Implications for theropod evolution and faunal turnover in the Jurassic.
In: Palaeontologia Electronica. 19. S. 1–65 -
Stadt Porta Westfalica (Hg.) (o.J.): Porta Westfalica – lebens- und liebenswert.
(https://www.portawestfalica.de/stadtleben/die-stadt; abgerufen am 10.09.2025)
Erstveröffentlichung 2026