Leistungen der sozialen Mindestsicherung in Westfalen

06.02.2026 Peter Wittkampf

Kategorie: Bevölkerung

Schlagworte: Westfalen · Armut · Einkommen

Inhalt

Leistungsarten

Wer in Deutschland den Lebensunterhalt nicht durch eigene Einkünfte bestreiten kann, hat ein Anrecht auf Leistungen der sozialen Mindestsicherung. Diese umfasst vier Haupt-Leistungsarten:
–  Grundsicherung für Arbeitsuchende (= Bürgergeld),
–  Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung,
–  Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen,
–  Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

Abb. 1: Mindestsicherungsquoten in den Kreisen / kreisfreien Städten Westfalens am 31.12.2024 (Quelle: IT.NRW 2025c)

Die nachfolgenden Erläuterungen basieren auf Angaben des Internetportals "Statistik.NRW" (IT.NRW 2025a), woraus auch die Zitate entnommen wurden.

Bürgergeld (früher: Arbeitslosengeld II bzw. "Hartz IV") steht erwerbsfähigen Personen ab 15 Jahren und vor Erreichen der Renten-Altersgrenze zu, wenn sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben und entweder keinen adäquaten Arbeitsplatz finden oder "mit ihrer Arbeit nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu decken und für die vorrangige Leistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag nicht ausreichen, um die Hilfebedürftigkeit zu überwinden". Auch nicht erwerbsfähige Personen, die mit ihnen in einer "Bedarfsgemeinschaft" leben (z.B. Kinder, alte oder schwerbehinderte Menschen), sind hier leistungsberechtigt.

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung "erhalten Erwachsene, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen sicherstellen können und entweder die Altersgrenze zur Rente erreicht haben oder wegen Krankheit oder Behinderung wahrscheinlich auf Dauer nicht täglich mindestens drei Stunden erwerbsfähig sein können".

Hilfe zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen erhalten Personen bzw. Personengemeinschaften, die ihren notwendigen Lebensunterhalt nicht durch die beiden zuvor genannten Leistungen decken können. "Dazu zählen beispielsweise vorübergehend Erwerbsunfähige, Personen im Vorruhestand mit niedriger Rente oder längerfristig Erkrankte". In Einrichtungen wohnende Personen werden nicht mitgerechnet, da sie zumeist andere Leistungen erhalten, und um Doppelzählungen zu vermeiden.

Asylbewerberleistungen erhalten – als Sachleistungen oder in anderer Form – die entsprechenden Personen "zur Deckung des täglichen Bedarfs". Nach 18 bzw. 36 Monaten Aufenthalt setzt in der Regel dann die Hilfe zum Lebensunterhalt ein.

Tab. 1: Anteile der vier Leistungsarten der sozialen Mindestsicherung in Westfalen (Stand: 31.12.2024) (Quelle: IT.NRW, eigene Berechnungen)

Leistungsberechtigte

Westfalenweit hatten am 31.12.2024 insgesamt 889.938 Personen Anrecht auf Leistungen der sozialen Mindest­sicherung. Die prozentualen Anteile der vier Leistungsarten zeigt Tabelle 1.

Wenn man die Anzahl derjenigen, die eine Mindestsicherungsleis­tung erhalten, in Beziehung setzt zur Gesamtbevölkerung bzw. der Gesamtheit der infrage kommenden Bevölkerungs- oder Altersgruppe, ergeben sich Mindestsicherungsquoten. Für das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt veröffentlichte das Statistische Landesamt IT.NRW im Oktober 2025 eine Meldung unter der Überschrift "NRW: Etwa jeder Neunte bezog 2024 Leistungen der sozialen Mindestsicherung" (IT.NRW 2025b). Im Landesteil Westfalen lagen die entsprechenden Quoten zwischen 6,3% in den Kreisen Borken und Olpe sowie 21,7% in Gelsenkirchen. In Gelsenkirchen ist also etwa jeder Fünfte auf Sozialleistungen angewiesen. Dortmund, Herne und Hagen wiesen jeweils Quoten um 17% auf (Abb. 1). In den großen Städten im Ruhrgebiet, besonders in Gelsenkirchen, leben viele Menschen mit relativ geringem Einkommen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, und die Familien, die von einem Einkommen leben müssen, sind z.T. größer als anderswo. Für die älteren Menschen reicht die Rente oft nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Die Gemeinden mit den NRW-weit niedrigsten Mindestsicherungsquoten waren dagegen Raesfeld (3,7%) und Südlohn (3,9%), beide im Kreis Borken (ebd.).

Insgesamt waren in Westfalen 45,6% der Bezieher von Mindest­sicherungsleistungen Nichtdeutsche (IT.NRW 2025d).

Abb. 2: Quoten der Bürgergeld-Leistungsberechtigten in den Kreisen / kreisfreien Städten Westfalens am 31.12.2024 (Quelle: LWL (o.J.))

Bürgergeld

Aus den eingangs gegebenen Erläuterungen wird verständlich, dass die Quote derer, die Bürgergeld erhalten können, z.T. deutlich höher sein kann als die jeweilige Arbeitslosenquote, da ja auch beispielsweise die Zahl der Familienmitglieder zu berücksichtigen ist. In Gelsenkirchen z.B. betrug im Dezember 2024 die Arbeitslosenquote 14,8%, die Quote der Bürgergeld-Leistungsberechtigten lag dagegen bei 23,6%. Zum Vergleich: Im Kreis Borken lagen die entsprechenden Quoten bei 4,6% und 5,6% (dpa-infocom (o. J.) u. LWL (o. J.)).

Die Quoten der Bürgergeld-Leis­tungsberechtigten in den Kreisen und kreisfreien Städten Westfalens zeigt Abbildung 2. Man erkennt sofort die Unterschiede zwischen den Ruhrgebietsstädten und den Kreisen des Münsterlandes und des Sauerlandes. Die westfalenweit höchsten Quoten wiesen – nach Gelsenkirchen – Dortmund (18,5%), Herne (17,9%) und Hagen (17,2%) auf. Die niedrigste Quote (5,4%) wurde für den Kreis Olpe errechnet.

Grundsicherung im Alter

Die Zunahme der Bevölkerung im Rentenalter ist ein entscheidender Grund für den Anstieg speziell der Grundsicherung im Alter. Diese Leistungsart der Mindestsicherung ist in Nordrhein-Westfalen 2024 zum vierten Mal in Folge angestiegen (IT.NRW 2025e). Wenn etwa Steigerungen z.B. der Miet-, Heiz- und Lebenshaltungskos­ten die größer werdende Zahl älterer Menschen mit niedrigen Renten besonders hart trifft, sind höhere Quoten bei der Grundsicherung im Alter die fast unausweichliche Folge.

Einen deutlichen Anstieg bei dieser Art der Mindestsicherung gab es von 2020 bis 2024 wiederum in Gelsenkirchen, wo sich die Quote von 5,9% auf 7,4% erhöhte. Noch gravierendere Steigerungen waren in Bielefeld (5,5% → 7,1%), Bochum (4,6% → 6,1%) und Herne (4,5% → 6,1%) zu verzeichnen. Dagegen erhielten beispielsweise im Kreis Borken von hundert Menschen über der Rentenaltersgrenze, statistisch gesehen, im Jahr 2020 lediglich 2,8 Personen Leistungen aus der Grundsicherung im Alter; 2024 lag die Quote dort bei 3,4%.

Am 31.12.2024 hatte Dortmund mit 8,8% die höchste Quote in Westfalen (ebd.). Hohe Wohnkosten könnten hier eine wichtige Rolle gespielt haben.

Hilfe zum Lebensunterhalt und Regelleistungen für Asyl­bewerber/innen

Bei der Hilfe zum Lebensunterhalt und den Regelleistungen für Asylbewerber zeigen sich ebenfalls regionale Unterschiede. So bekommen z.B. in Bielefeld, obwohl dort weniger Einwohner leben als im Kreis Lippe, mehr als doppelt so viele Menschen eine Hilfe zum Lebensunterhalt (IT.NRW 2025f).

Die Leistungen für Asylbewerber sind in letzter Zeit insgesamt zurückgegangen. Bei den teilräumlichen Schwerpunkten spielen die Standorte der Aufnahmeeinrichtungen eine wichtige Rolle (ebd.).

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Weiterführende Literatur/Quellen

  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hg.) (2025): Sozialhilfe und Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. (https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/a207-sozialhilfe-und-grundsicherung.pdf?__blob=publicationFile&v=11; abgerufen am 19.01.2026)

  • dpa-infocom GmbH (Hg.) (o.J.): Arbeitslosenquoten (Kreise, Dezember 2024).
    (https://www.dpa-shop.com/shop/arbeitslosenquoten-kreise-dezember-2024; abgerufen am 19.01.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2025a): Wer in NRW ist auf Grundsicherung und ähnliche Leistungen angewiesen? Empfängerinnen und Empfänger von Leistungen der sozialen Mindestsicherung nach ausgewählten soziodemographischen Merkmalen im Jahr 2024.
    (https://statistik.nrw/service/veroeffentlichungen/themenschwerpunkte/armut/wer-in-nrw-ist-auf-grundsicherung-und-aehnliche-leistungen-angewiesen; abgerufen am 16.01.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2025b): NRW: Etwa jeder Neunte bezog 2024 Leistungen der sozialen Mindestsicherung. (Pressemitteilung vom 15.10.2025) (https://www.it.nrw/nrw-etwa-jeder-neunte-bezog-2024-leistungen-der-sozialen-mindestsicherung-127836; abgerufen am 16.01.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2025c): Sozialberichterstattung in der amtlichen Statistik: Mindestsicherungsquote - Gemeinden (Wohnortprinzip) – Jahr.
    (https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=22811-01i&bypass=true&levelindex=0&levelid=1768825069595; abgerufen am 19.01.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2025d): Sozialberichterstattung in der amtlichen Statistik: Empfänger/innen von sozialen Mindestsicherungsleistungen nach Geschlecht, Nationalität und Altersgruppen – Gemeinden (Wohnortprinzip) – Jahr. (https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=22811-04i&bypass=true&levelindex=0&levelid=1768555857277; abgerufen am 16.01.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2025e): NRW: Anteil der Menschen mit Bezug von Grundsicherung im Alter das vierte Jahr in Folge gestiegen. (Pressemitteilung vom 10.11.2025)
    (https://www.it.nrw/nrw-anteil-der-menschen-mit-bezug-von-grundsicherung-im-alter-das-vierte-jahr-folge-gestiegen; abgerufen am 19.01.2026)

  • IT.NRW Information und Technik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2025f): Sozialberichterstattung in der amtlichen Statistik: Empfänger/innen von sozialen Mindestsicherungsleistungen nach Art der Leistung – Gemeinden (Wohnortprinzip) – Jahr. (https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=22811-05i&bypass=true&levelindex=0&levelid=1768825069595; abgerufen am 19.01.2026)

  • LWL Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hg.) (o.J.): LWL-Statistik. Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II ("Bürgergeld"). (https://www.statistik.lwl.org/de/zahlen/sgbii/; abgerufen am 26.01.2026)

  • https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/sozialhilfe-und-buergergeld-2253064

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Erstveröffentlichung 2026

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